Wem Ärzte jetzt Attest für kostenlosen Corona-Tests ausstellen – und wem nicht

Wem Ärzte jetzt Attest für kostenlosen Corona-Tests ausstellen – und wem nicht

Für Ungeimpfte wird es zunehmend unbequem und oft sogar teuer. Corona-Tests müssen sie selbst zahlen, bald sollen sie keine Lohnfortzahlung im Quarantäne-Fall mehr bekommen. Da könnten manche auf die Idee kommen, sich aus medizinischen Gründen eine Impfbefreiung ausstellen zu lassen. Doch dafür gibt es klare Regeln.

Knapp 65 Prozent der Menschen in Deutschland sind vollständig geimpft. Die bisher Ungeimpften haben ihre ganz individuellen Gründe dafür. Unabhängig davon bedeutet das aber, dass für sie die 3G-Regel bald teuer werden könnte. Denn das G, das für „Getestet“ steht, zahlt der Bund ab 11. Oktober nicht mehr (außer in bestimmten Fällen, siehe unten).

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Wer sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann, braucht ein Attest. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) erklärt allerdings: „Es gibt nur sehr wenige Gründe (Kontraindikationen), warum eine Person sich dauerhaft oder vorübergehend nicht gegen Covid-19 impfen lassen kann.“ Bislang seien keine besonderen Einschränkungen durch Vorerkrankungen über die üblichen Empfehlungen/Einschränkungen bei anderen Impfungen hinaus bekannt.

Wer nicht geimpft werden kann

  • Wie bei anderen Impfungen auch, sollten Sie nicht akut schwer krank sein, beispielsweise kein Fieber über 38,5 Grad haben. Sobald das Fieber abgeklungen ist, kann geimpft werden.
  • Bei Allergie gegen Bestandteile der Impfstoffe sollte ebenfalls nicht geimpft werden. In der Regel können Personen, die mit einem der Impfstofftypen (mRNA- vs. Vektor-basiert) nicht geimpft werden dürfen, mit dem jeweils anderen geimpft werden. Wer unter anderen Allergien wie Nahrungsmittelallergie, Neurodermitis, Heuschnupfen oder Asthma bronchiale leidet, kann in der Regel geimpft werden.

Mehr dazu können Sie hier nachlesen: „Wie wird bei der Impfung mit bekannten Allergien bzw. anaphylaktischen Reaktionen umgegangen?“ und „Vorgehen bei positiver Allergieanamnese vor Covid-19-Impfung“.

  • Für den Astrazeneca-Impfstoff gibt es darüber hinaus zwei seltene Kontraindikationen: ein vorliegendes Thrombose-mit-Thrombozytopenie-Syndrom (TTS) oder ein Kapillarlecksyndrom. Beides sind sehr seltene Vorerkrankungen (Einzelfälle). In diesen Fällen können mRNA-Impfstoffe verwendet werden.
  • Kinder unter 12 Jahren können zurzeit nicht geimpft werden. Für sie ist kein Impfstoff zugelassen. Doch Wissenschaftler forschen daran, sodass zukünftig mit einem Impfstoff für diese Altersgruppe gerechnet werden kann.
  • Für Schwangere im ersten Schwangerschaftsdrittel hat die Ständige Impfkommission (Stiko) bisher keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen.

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  • Wer unter besonderen Umständen geimpft werden kann

    Es gibt zudem einige Personengruppen, die über eine Impfung und den besten Zeitpunkt dafür in enger Absprache mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin entscheiden sollten. Die BzgA erläutert:

    Für Patientinnen und Patienten, die Blutgerinnungshemmer (Antikoagulanzien) einnehmen, ist die Corona-Schutzimpfung unter besonderen Umständen möglich. Für diese Personen werden bei der intramuskulären Verabreichung sehr feine Injektionskanülen verwendet und die Einstichstelle wird nach der Impfung mindestens zwei Minuten lang komprimiert (gedrückt).

    Für rheumatische Erkrankungen gelten die sonst auch üblichen Einschränkungen – die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie empfiehlt die Corona-Schutzimpfung in ihrer Stellungnahme aber ausdrücklich.

    Viele andere Personengruppen können zwar geimpft werden, möglicherweise ist die Impfung bei ihnen aber weniger wirksam. Das betrifft etwa Personen mit Immundefizienz. Dies heißt aber nicht, dass alle diese Personen nicht auf die Impfung ansprechen. Selbst unter schwer immunsupprimierten Personen, wie zum Beispiel Krebs-Patienten unter bestimmten Chemotherapien oder Organtransplantierten, ist die Reaktion auf die Impfung sehr unterschiedlich. In der Regel wird ihnen besonders zu einer Impfung – und auch Auffrischungsimpfung – geraten.

    Die aktuelle Stiko-Empfehlung zur Covid-19-Impfung können Sie hier im Epidemiologischen Bulletin nachlesen.

    Wer kein Impfbefreiungs-Attest bekommt

    Zusammengefasst, nennt das Robert-Koch-Institut in seinen FAQs zu Impfungen eine Reihe „falscher Kontraindikationen“:

    • banale Infekte (≤ 38,5 °C)
    • Krebserkrankungen
    • rheumatoide Erkrankungen
    • Allergien, die sich nicht spezifisch gegen Bestandteile der Impfung richten
    • Therapien mit Antibiotika
    • Therapien mit Kortikosteroiden
    • Behandlung mit lokal angewendeten steroidhaltigen Präparaten
    • Blutungsneigungen
    • Einnahme von Gerinnungsmedikamenten
    • Neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose
    • chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
    • Nierenerkrankungen Wer also freiwillig ungeimpft bleibt, muss ab 11. Oktober seinen Schnelltest selbst bezahlen. Wer aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann, bekommt nach wie vor kostenlose Schnelltests. Das Bundesgesundheitsministerium listet alle Gruppen auf:

    Welche Personen erhalten weiter kostenlose Testangebote?

    Folgende Personen haben auch nach dem Ende der allgemeinen Bürgertestung am 11. Oktober 2021 die Möglichkeit sich mindestens einmal die Woche kostenlos mit einem Schnelltest testen zu lassen:

    • Personen, die zum Zeitpunkt der Testung noch keine zwölf Jahre alt sind oder erst in den letzten drei Monaten vor der Testung zwölf Jahre alt geworden sind.
    • Personen, die aufgrund einer medizinischen Kontraindikation zum Zeitpunkt der Testung nicht gegen das Coronavirus geimpft werden können. Das gilt insbesondere bei einer Schwangerschaft im ersten Schwangerschaftsdrittel, da die Ständige Impfkommission für diesen Zeitraum bislang keine generelle Impfempfehlung ausgesprochen hat. Die kostenlose Testmöglichkeit besteht auch dann, wenn wegen einer medizinischen Kontraindikation eine Impfung in den letzten drei Monaten vor der Testung nicht möglich war.
    • Personen, die sich wegen einer nachgewiesenen Infektion mit dem Coronavirus selbst in Absonderung begeben mussten, können sich kostenlos testen lassen, wenn die Testung zur Beendigung der Absonderung erforderlich ist.
    • Bis zum 31. Dezember 2021 können sich alle, die zum Zeitpunkt der Testung noch minderjährig sind, kostenlos testen lassen. Das Gleiche gilt auch für Schwangere. Zwar besteht für diese Personen seit August bzw. September 2021 eine generelle Impfempfehlung der ständigen Impfkommission. Um diesen Personen ausreichend Zeit zu gewähren, sich über die bestehenden Impfangebote zu informieren und einen vollständigen Impfschutz zu erlangen, haben sie bis Ende des Jahres weiterhin einen Anspruch auf kostenlose Testung.
    • Auch Studierende aus dem Ausland, die sich für ein Studium in Deutschland aufhalten und mit in Deutschland nicht anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, können sich bis zum 31. Dezember 2021 kostenlos per Schnelltest testen lassen.
    • Außerdem können Personen, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Impfstoffen gegen das Coronavirus teilnehmen oder in den letzten drei Monaten vor der Testung an solchen Studien teilgenommen haben, sich kostenlos mittels Schnelltest testen lassen.

    Um weiter kostenlose Schnelltests zu bekommen, muss man bei der Teststelle einen amtlichen Ausweis mit Foto vorlegen – bei Kindern ist so auch das Alter nachzuweisen. Extra-Nachweise wie ein ärztliches Zeugnis sind nötig, wenn man sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen kann – eine Diagnose muss nach Ministeriumsangaben nicht angegeben werden. Zum Nachweis einer Schwangerschaft kann demnach der Mutterpass genutzt werden.

    Eva Hummers, Direktorin des Instituts für Allgemeinmedizin an der Universität Göttingen und Mitglied der Ständigen Impfkommission, unterstreicht in ihrem aktuellen Statement: „Jeder Erwachsene soll sich gegen Covid-19 impfen lassen, damit die Pandemie-Einschränkungen beendet werden können und damit kleine Kinder und Menschen, bei denen die Impfung vielleicht nicht so gut wirkt, effektiv geschützt werden. Dass sich Erwachsene aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen dürfen, ist glücklicherweise sehr selten.“

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