Um vierte Welle zu verhindern: So viele Geimpfte fehlen uns zur Herdenimmunität

Um vierte Welle zu verhindern: So viele Geimpfte fehlen uns zur Herdenimmunität

Um das Infektionsgeschehen im Herbst möglichst niedrig zu halten, brauchen wir laut Experten möglichst hohe Impfquoten. FOCUS Online zeigt, wie viele immun machende Impfungen noch fehlen, um eine starke vierte Welle abzuwenden.

Bei der Frage, wie schlimm die vierte Corona-Welle im Herbst wohl werden wird, verweisen Experten in der Regel auf die bis dahin erreichte Impfquote. Denn die Immunität der Bevölkerung in Deutschland ist ausschlaggebend dafür, wie viele Menschen sich infizieren und gegebenenfalls schwer an Covid-19 erkranken werden.

Auch wenn mittlerweile auch Kinder ab zwölf Jahren gegen Corona geimpft werden können, kommt es Wissenschaftlern zufolge jetzt vor allem auf die übrigen Erwachsenen an. „Der entscheidende Rest sind die Achtzehn- bis Neunundfünfzigjährigen. Hier entscheidet sich die vierte Welle und nicht bei den Zwölf- bis Siebzehnjährigen“, sagte etwa Thomas Mertens, Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) der „FAZ“. Das zeigten wissenschaftliche Modelle.

Die Stiko hat bislang keine pauschale Empfehlung für die Impfung von Kindern und Jugendlichen ausgesprochen. Mertens appellierte daher an das Verantwortungsbewusstsein der Erwachsenen. Es gehe „nicht um ihren Individualschutz“, sondern vielmehr um die Gesellschaft, um Freiheiten und die wirtschaftliche Entwicklung.

RKI nennt Ziel-Impfquoten für Kampf gegen vierte Welle

Auch Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, sprach sich deutlich für weitere Impfungen aus: „Dem Virus einen Schritt voraus zu bleiben, heißt im Sommer schon an den Herbst zu denken. Wir brauchen einen Herdenschutz gegen die vierte Welle und dazu müssen wir das Impftempo jetzt nochmal deutlich anziehen. Mit Blick auf Länder wie Großbritannien sehen wir, wie wichtig eine hohe Impfquote ist.“

Aus Sicht des RKI sollten im Kampf gegen die Delta-Variante mindestens 85 Prozent der Zwölf- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Menschen ab 60 Jahren vollständig geimpft sein. „Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte vierte Welle im kommenden Herbst und Winter unwahrscheinlich“, heißt es in einem Papier des RKI von Anfang Juli.

Diese Quoten sind bislang aber längst nicht erreicht, wie ein aktueller RKI-Bericht zeigt.

Impfquoten ab 60 Jahren

  • Anzahl: 24,1 Millionen Menschen
  • Angestrebte Impfquote: 90 Prozent
  • Aktuelle Impfquote: 81,2 Prozent
  • Noch zu impfende Personen: 2,0 Millionen

Die Altersgruppe ab 60 Jahren könnte das Impfziel von rund 90 Prozent am ehesten erreichen. Nach Angaben des RKI sind bereits 81,2 Prozent davon doppelt gegen Corona geimpft. Das entspricht rund 19,6 der knapp 24,1 Millionen Menschen dieser Altersgruppe in Deutschland.

Einfach geimpft sind bundesweit 85,5 Prozent der Über-60-Jährigen, also knapp 20,4 Millionen. Um die 90 Prozent zu erreichen, müssten sich insgesamt 21,6 Millionen Personen vollständig impfen lassen. Bei den Über-60-Jährigen fehlen also noch 1,2 Millionen Erst-, beziehungsweise noch 2,0 Millionen Zweitimpfungen.

Impfquoten zwischen zwölf und 59 Jahren

  • Anzahl: 49,1 Millionen Menschen
  • Angestrebte Impfquote: 85 Prozent
  • Aktuelle Impfquote: 53 Prozent
  • Noch zu impfende Personen: 15,5 Millionen

Weniger Hoffnung macht der Blick auf die Impfquoten der jüngeren Altersgruppen:

18 bis 59 Jahre: In der von Stiko-Chef Mertens angesprochenen Altersgruppe von 18 bis 59 Jahren sind dem RKI nach bislang lediglich 56,8 Prozent geimpft. Das entspricht knapp 25,7 Millionen Menschen. Die erste Impfung erhalten haben bislang 63,1 Prozent dieser Altersgruppe, das entspricht etwa 28,6 Millionen.

Zwölf bis 17 Jahre: In der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen sind lediglich 12,6 Prozent vollständig geimpft, also rund 470.000 Kinder und Jugendliche. Erstgeimpft sind immerhin 22,5 Prozent, also 840.000.

Insgesamt beinhaltet diese Altersgruppe etwa 49,1 Millionen Menschen, die angestrebten 85 Prozent entsprächen 41,7 Millionen. Gegenwärtig vollständig geimpft sind insgesamt allerdings nur 26,2 Millionen, das entspricht einem Anteil von etwa 53 Prozent. Es fehlen also noch etwa 15,5 Millionen Zweitimpfungen, beziehungsweise 12,4 Erstimpfungen. 

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Gefährlich für vierte Welle: Impftempo in Deutschland lässt nach

Was deutlich wird: Um eine ausgeprägte vierte Delta-Welle zu verhindern, müssen sich noch mehr Menschen in Deutschland impfen lassen. Das Gegenteil ist aktuell der Fall. Das Impftempo in Deutschland lässt seit einigen Wochen deutlich nach.

Am Sonntag wurden bundesweit lediglich 110.104 Impfdosen verabreicht. Insbesondere die Zahl der Erstimpfungen nimmt ab, zuletzt waren es nur 25.485. So niedrig war der Wert zuletzt am 24. Januar. Mit einem großen und entscheidenden Unterschied: Ende Januar standen Deutschland im Schnitt 2,9 Millionen Impfdosen pro Woche zur Verfügung. In der vergangenen Woche waren es mehr als 110 Millionen.  Esslust Sehen Sie im Video: Muffins mit Apfelmus sind schnell gemacht: Wer braucht da Apfelkuchen?

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