„Sieht dauerhaft aus“: Neue Studien legen Corona-Immunität nahe

„Sieht dauerhaft aus“: Neue Studien legen Corona-Immunität nahe

Sind wir nach einer überstandenen Corona-Infektion immun oder nicht? Darüber diskutieren Forscher seit Monaten. Neue Untersuchungen zeigen jetzt: Der Körper kann sich wahrscheinlich länger als angenommen an das Virus erinnern.

Gibt es eine Corona-Immunität? Und wenn ja, wie lange dauert sie an? Die Antworten darauf fielen in den vergangenen Wochen oft eher mau und pessimistisch aus. Der Grund: Die offenbar bei vielen Patienten sehr schnell sehr stark fallenden Antikörperspiegel.

In einer im Fachblatt „Nature“ veröffentlichten Studie stellten chinesische Forscher etwa bereits im Juni fest, dass 40 Prozent der asymptomatischen Virusträgern nach nur drei Monaten keinerlei nachweisbare Antikörper mehr im Blut aufwiesen. Aus Beobachtungen wie diesen schlussfolgerten manche, die mögliche Immunität gegen Sars-CoV-2 könnte ähnlich kurz andauern.

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Forscher: Immunität für mindestens mehrere Monate

Zwei neuere Studien zeichnen nun allerdings ein anderes Bild: Demnach könnte sich der menschliche Körper nach einer durchgemachten Infektion doch deutlich länger an das Virus erinnern und entsprechend gegen es vorgehen als gedacht. Einerseits weil die Antikörper zumindest nicht allein für die Immunität verantwortlich sind. Andererseits weil die Antikörperspiegel offenbar wohl sinken, sie aber eben nicht ganz verschwinden und reaktiviert werden können.

Die Autoren einer gerade veröffentlichten Studie der University of Arizona konstatieren deshalb in ihrer Arbeit: „Im Gegensatz zu anderen Berichten, kommen wir zu dem Schluss, dass die Immunität mindestens mehrere Monate nach einer Sars-CoV-2-Infektion andauert.“

Verantwortlich für den Schutz sind demzufolge insbesondere die sogenannten B-Zellen. Sie könnten die Corona-Antikörper bei einer erneuten Infektion erfolgreich wieder aktivieren und einer erneuten Infektion so vorbeugen. Diese Reaktion sehe dabei „vollkommen dauerhaft aus“, heißt es.

Sowohl B- als auch T-Zellen sind relevant

Und auch das Autoren-Team einer weiteren Studie um Takuya Sekine vom Center for Infectious Medicine des Karolinska-Instituts in Stockholm hat heraufgefunden, dass eine erneute Infektion mit Sars-CoV-2 eher unwahrscheinlich ist; die Immunantwort des Körpers sei „robust, breit und hoch-funktionstüchtig“.

Die europäischen Forscher machen dafür allerdings anders als ihre US-Kollegen die sogenannten T-Zellen verantwortlich. Sie attackieren Krankheitserreger und töten auch körpereigene Zellen ab, die bereits von einem Virus infiziert wurden. Die B-Zellen hingegen produzieren Antikörper gegen körperfremde Eindringlinge.

Wer mit Sars-CoV-2 bereits einmal in Berührung gekommen ist, bei dem könnte die Abwehrreaktion des Körpers einen zumindest erneut schweren Verlauf von Covid-19 verhindern, führen die Forscher weiter aus. Das gelte auch für Patienten, die bei ihrer Erstinfektion nur milde Symptome gezeigt hatten, wie sie betonen.

Geringe Antikörperspiegel bedeuten nicht geringer Schutz

Dass sinkende Antikörperspiegel nicht gleichzusetzen sind mit einer sinkenden Immunität, hatte Virologe Friedemann Weber bereits vor einiger Zeit im Gespräch mit FOCUS Online erklärt. „Man weiß aus Tierversuchen, dass Infizierte nach einer überstandenen Infektion zumindest für einige Wochen immun sind“, erläuterte er damals. „Und man kann davon ausgehen, dass die Immunität auch darüber hinaus fortbesteht – auch wenn die Antikörperspiegel wieder runtergehen.“ Das sei bei vielen Infektionskrankheiten der Fall.

Für den Schutz vor einer Erkrankung seien neben den Antikörper eben auch sogenannte Gedächtniszellen wie die B-Zellen relevant. „Die bleiben nach einer Infektion in der Regel zurück und werden wieder aktiviert, sobald man wieder infiziert ist. Deshalb wird der Schutz gegen das Virus bei einer zweiten Infektion sehr viel schneller aufgebaut als bei der Erstinfektion, auch wenn der Betroffen zuvor niedrige Antikörperspiegel aufweist.“

Zwar sei anzunehmen, dass der Schutz vor einer erneuten Infektion umso höher ist, je höher der Anteil der Antikörper im Blut ist, so Weber. „Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass man bei sinkenden Antikörperspiegeln nicht mehr immun ist.“

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    Ähnlich äußerte sich in der Vergangenheit Deutschlands erster Corona-Arzt, der Infektiologe und Münchner Chefarzt Clemens Wendtner. Auch wenn erste Ergebnisse auf einen teilweisen Verlust von neutralisierenden Antikörpern bei Covid-19-Patienten hinwiesen, heiße dies noch lange nicht, dass dies mit einem Verlust der Immunität gegenüber dem Virus einhergehe, betonte er.

    Übereinstimmend mit den beiden Studien nennt er sowohl B-Zellen als auch T-Zellen für die potenzielle Immunität gegen Sars-CoV-2 für bedeutungsvoll. Beide sind Teil des sogenannten erworbenen Immunsystems. „Erste Arbeiten zeigen, dass in der Tat T-Zellen von genesenen Covid-19 -Patienten spezifische Eiweißmoleküle des Sars-CoV-2-Virus erkennen“, erklärt er. „Allerdings“, so der Mediziner weiter, „ist völlig offen, inwieweit diese T-Zellen wirklich vor einer Covid-19-Erkrankung schützen und den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen könnten.“ Hierzu fehlten Langzeitbeobachtungen – sowohl bei genesenen Covid-19-Patienten als auch bei Gesunden.

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