Schrödingers Beratungsecke – der hermetisch abgeriegelte Beratungsraum

Schrödingers Beratungsecke – der hermetisch abgeriegelte Beratungsraum

Alle fünf Jahre grüßt das Präqualifizierungsverfahren. Doch es grüßt nicht bloß. Es hat auch die besondere Fähigkeit aufzudecken, dass langjährig bestehende Räumlichkeiten und Ausstattungen plötzlich völlig ungeeignet für die Abgabe von Hilfsmitteln sind. Und das ganz ohne, dass die Apotheke oder die Kundschaft dies überhaupt mitbekommen hätten. Im dritten Teil unserer Serie befassen wir uns mit den Tücken der Türen.

Während die Online-Fassung des Duden lediglich zwei Vorschläge zur Bedeutung des Wortes „Tür“ macht, dürften sich im Laufe der Jahre aus Sicht der verschiedenen Präqualifizierungsstellen noch einige anderslautende Definitionen ergeben haben. Schließlich werden immer wieder verschiedene „Vorrichtungen in Form einer in Scharnieren hängenden, meist rechteckigen Platte zum Verschließen eines Durchgangs, eines Einstiegs o.Ä.“ [1] als unzureichend für die Abgrenzung des für manche Versorgungsbereiche vorgeschriebenen Beratungsraums beanstandet.

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Dass eine Tür nicht tatsächlich auch eine Tür aus Sicht der Präqualifizierungsstelle sein muss, erlebte eine Filialleiterin aus dem Südwesten Deutschlands. Noch im Jahr 2020 wurde der Beratungsraum, inklusive seiner Falttür aus Holz, ohne Beanstandungen innerhalb eines Audits durch die Präqualifizierungsstelle akzeptiert. Die Falttür wurde in diesem Verfahren nicht thematisiert.

Zur optischen und akustischen Abgrenzung nicht geeignet

Ganz anders kam es jedoch bei der Re-Präqualifizierung im darauffolgenden Jahr. Die bereits seit 2007 vorhandene und seitdem unveränderte Falttür sollte plötzlich nicht mehr dazu geeignet sein, eine optische und akustische Abgrenzung des Beratungsraums sicherzustellen. In der Antwort der Präqualifizierungsstelle auf die eingereichten Unterlagen (das Schreiben liegt der Redaktion auszugsweise vor) werden sowohl der Fotonachweis der Sitzmöglichkeit als auch der des Spiegels als unzureichend bewertet.

Die Fotodokumentation, welche der DAZ ebenfalls vorliegt und aus vier Bildern besteht, zeigt den Beratungsraum einmal mit halb geschlossener und einmal mit vollständig geöffneter Tür von außen. Auf diesen Bildern sind die zwei Seitenwände des Raums sowie seine Rückwand mit vollständig abgeklebtem Fenster deutlich zu erkennen. Auch der Beratungstisch mit Sitzgelegenheiten ist zu sehen, ebenso wie der Boden. Und ganz vorne im Bild natürlich auch unsere Protagonistin: Die Falttür. Diese erstreckt sich vertikal über die gesamte Länge der Türöffnung. Anhand ihrer Faltungen lässt sich außerdem gut abschätzen, dass sie groß genug sein wird, um auch horizontal die Türöffnung vollständig zu verschließen.

Raum vom Boden bis zur Decke abgeschlossen?

Dass die Tür bündig mit dem Boden abschließt, ist zusätzlich auf dem dritten Fotonachweis zu erkennen. Das vierte Bild, welches den Beratungstisch im Raum mit den vorhandenen Stühlen und auch den Spiegel zeigt, vervollständigt zuletzt die Darstellung der Raumeinheit. Einzig die Decke des Raums wurde nicht fotografisch nachgewiesen, diese scheint jedoch nicht der Stein des Anstoßes für die Beanstandung gewesen zu sein. Als Grund für die vermeintlich unzureichenden Fotonachweise gibt die Präqualifizierungsstelle in ihrem Schreiben nämlich an, dass „nicht ausreichend nachgewiesen [wurde], dass der Beratungsraum akustisch und optisch abgegrenzt“ sei. Im Fall des Fotos der Sitzmöglichkeit wurde weiterhin ausgeführt, dass eine Falttür nicht akzeptiert werden könne. Ferner sei auf dem Fotonachweis nicht ersichtlich, dass es sich um einen geschlossenen Raum handele, welcher „von Boden bis zur Decke abgeschlossen ist“.

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