Neue US-Studie: Impfschutz bei Biontech lässt wohl schneller nach als bei Moderna

Neue US-Studie: Impfschutz bei Biontech lässt wohl schneller nach als bei Moderna

Wie lange hält der Schutz nach einer Corona-Impfung an? Diese Frage lässt sich noch immer nicht eindeutig beantworten. Eine neue Studie deutet nun darauf hin, dass die Schutzwirkung von Biontech/Pfizer nach einer bestimmten Zeit schneller nachlässt als bei Moderna.

Noch immer lassen sich bei den Impfstoffen keine genauen Aussagen treffen, wie lange die Schutzwirkung wirklich anhält. Nun deutet eine neue Studie des US-Centers of Disease Control (CDC) darauf hin, dass die Wirksamkeit von Biontech/Pfizer schneller nachlässt als bei dem anderen mRNA-Impfstoff von Moderna.

Zusammen mit dem Vektor-Imfpstoff von Johnson & Johnson werden diese drei Impfstoffe aktuell in den USA verimpft. Sowohl die Food and Drug Administration (FDA) also auch die CDC empfehlen die Impfung mit einem dieser Impfstoffe gemäß der Alterszulassung – ohne Ausnahmen oder Einschränkungen. Deshalb setzte die CDC die Studie auf, um zu überprüfen, wie gut diese Impfstoffe nun wirklich vor einer schweren Covid-19-Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss, schützt.

Fallkontrollstudie mit 3689 Personen in Kliniken durchgeführt

Die Wissenschaftler führten dafür eine sogenannte Test-negative Fall-Kontrollstudie durch, die auch zur Abschätzung der Wirksamkeit von Grippeimpfungen zum Einsatz kommt. Dabei führten die Wissenschaftler PCR-Tests bei Krankenhauspatienten über 18 Jahre mit Covid-19-ähnlichen Symptomen durch. Das Ganze fand in 21 Kliniken in den USA im Zeitraum vom 11. März bis 15. August 2021 statt.

Von den insgesamt 3689 Patienten, waren 1682 positiv und 2007 Patienten negativ. Die Forscher erhoben zudem den Anteil der vollständig Geimpften unter der positiv sowie unter den negativ getesteten. Aus diesem Vergleich ermittelten die Mediziner die Wirksamkeit gegen eine schwere Covid-19 Erkrankung für die drei Impfstoffe, die sich wie folgt ergab:

  • 93 Prozent bei Moderna
  • 88 Prozent bei Biontech/Pfizer
  • 71 Prozent bei Johnson & Johnson

Wirkung von Biontech/Pfizer lässt nach vier Monaten nach

Die Wissenschaftler konnten dabei zeigen, dass der Schutz von Biontech/Pfizer nach vier Monaten deutlich nachließ, was beim Moderna-Impfstoff nicht der Fall war. Auch produzierte der Moderna-Impfstoff höhere Antikörper-Level im Blut. Bei den Personen dagegen, denen Johnson & Johnson verabreicht wurde, war das Level an Antikörpern nach der Impfung deutlich niedriger als bei den Personen, die mit den beiden mRNA-Impfstoffen geimpft wurden.

Warum nun die Wirksamkeit von Biontech/Pfizer schneller nachlässt, konnten die Forscher nicht eindeutig beantworten. Sie vermuten aber, dass es an dem höheren mRNA-Gehalt beim Moderna-Impfstoff liegen könnte. Auch die unterschiedlichen Abstände zwischen der ersten und zweiten Dosis, die bei Biontech drei Wochen und bei Moderna vier Wochen beträgt, könnten eine Rolle spielen.

Die Forscher betonen dennoch, dass alle drei Impfstoffe einen guten Schutz vor einem schweren Covid-19-Verlauf bieten. Außerdem hätte die Studie einige Einschränkungen, da sie beispielsweise weder die Wirksamkeit gegen Delta, der derzeit weltweit dominierenden Variante, noch die zelluläre Immunabwehr untersucht hätte. Auch der Anteil derer, die mit Johnson & Johnson geimpft wurden, sei relativ klein gewesen.

Andere Studien zeigen ähnliche Ergebnisse

Dass der Impfstoff von Moderna etwas besser schützen könnte, als der von Biontech, hatten kürzlich bereits zwei weitere Studien angedeutet.

Eine belgische Studie ergab: Nach einer Moderna-Impfung hatten die Geimpften mehr als doppelt so viele Antikörper wie nach Biontech. Als möglichen Erklärungen stellten die Forscher dieselben Vermutungen an wie ihre US-Kollegen vom CDC:

  • Der Impfstoff von Moderna ist höher dosiert als Biontech: 100 Mikrogramm Wirksubstanz versus 30 Mikrogramm.
  • Der Abstand zwischen den beiden Impfdosen war im Fall von Moderna länger: vier Wochen versus drei Wochen.

Die Studie weist – wie bereits vorangegangene – generell darauf hin, dass eine starke Antikörper-Antwort einen guten Immunschutz gegen Sars-CoV-2 bietet. Dennoch ist diese nicht allein ausschlaggebend. Auch T-Zellen spielen etwa eine wichtige Rolle, um künftige Infektionen abzuwehren. Diese wurden in der belgischen Studie genauso wenig wie in der CDC-Studie untersucht.

Studie zeigt bessere Schutzwirkung gegen Delta

Im August hatte eine weitere US-Studie zudem nahegelegt, dass das Vakzin von Moderna möglicherweise etwas besser speziell vor der Delta-Mutation des Coronavirus schützt. Laut den US-Daten , welche Wissenschaftler der Universität Cambridge veröffentlichten, senkte der Impfstoff von Moderna das Risiko im Zeitraum von Januar bis Juli 2021, wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden zu müssen um 92 Prozent. Das generelle Infektionsrisiko reduzierte das Moderna-Vakzin um 86 Prozent.

Im Juli, dem Zeitraum, in dem die Delta-Variante in Minnesota besonders stark angestiegen war, lag der generelle Schutz gegen eine Infektion nur noch bei 76 Prozent.

Etwas schlechter als Moderna schnitt in der US-Untersuchung das Vakzin von Biontech/Pfizer ab. Den Forschern zufolge verhinderte es zwischen Januar und Juli 2021 Hospitalisierungen um 85 Prozent. Eine Infektion verhinderte der Impfstoff um 76 Prozent.

Im Juli, dem Delta-Zeitraum, lag die Wirksamkeit den US-Wissenschaftlern zufolge nur noch bei 42 Prozent. Der Studie nach könnte also die Delta-Variante diesen Abfall der Wirksamkeit ausgelöst haben.

Studie mit Einschränkungen – Werte nur Hinweise und keine Belege

Allerdings hatte die Preprint-Studie, die bisher nicht von unabhängigen Experten begutachtet wurde, einige Limitationen. Es gibt statistische Unsicherheiten, welche nahelegen, dass es sich bei den genannten Werten um erste Hinweise, keinesfalls aber um klare Belege handelt. Auch weisen die Autoren darauf hin, dass die Untersuchung nicht repräsentativ für die amerikanische Bevölkerung ist.

Zudem fehlen in der Untersuchung Parameter, wie etwa die verstrichene Zeit seit der Impfung. Diese könnte die nachlassende Wirksamkeit erklären, falls etwa die Biontech-Impfungen früher verabreicht worden waren. Denn der Biontech-Impfstoff war noch vor dem von Moderna zugelassen worden.

Biontech/Pfizer-Wirksamkeit gegen Delta bei 88 Prozent

Weitere Studien kommen zudem zu anderen Ergebnissen: So hatten etwa britische Forscher in einer im „New England Journal of Medicine” publizierten Studie der Biontech-Impfung eine Wirksamkeit von 88 Prozent gegen eine durch Delta ausgelöste symptomatische Covid-19-Erkrankung zugeschrieben. Krankenhausaufenthalte hatte das Vakzin nach einer Untersuchung der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) um 96 Prozent verhindert.

Die Studien können als erste Hinweise gedeutet werden, dass die Impfung mit Moderna etwas besser schützen könnte als mit Biontech. Allerdings: Wissenschaftlich erwiesen ist das noch nicht. Und: Unumstritten ist, dass beide Impfstoffe einen guten Schutz bieten – insbesondere, wenn es um das Verhindern schwerer oder tödlicher Verläufe geht.

 

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