Neue App „easyDOAC“ soll Thromboseprophylaxe sicherer machen

Neue App „easyDOAC“ soll Thromboseprophylaxe sicherer machen

Werden Patienten mit Apixaban, Rivaroxaban und Co. behandelt, ist häufig die Dosierung anzupassen. In der Praxis erhält jeder zweite bis vierte Patient Dosierungen außerhalb der Zulassung, was die Therapiesicherheit gefährdet. Die neue Web-App easyDOAC hilft Apothekern und Ärzten, in Kürze die korrekte Dosierung von Nicht-Vitamin-K-abhängigen Antikoagulanzien zu ermitteln. Die App bietet einen schnellen Überblick, auch ohne konkrete Laborwerte zur Hand zu haben.

Im Alter steigt die Inzidenz für Thromboembolien stark an. Bei bestimmten Risikopatienten, zum Beispiel solchen mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern oder nach Operationen am Knie oder der Hüfte, ist das Risiko für Schlaganfälle derart hoch, dass eine dauerhafte Antikoagulation angezeigt ist. Als Antikoagulanzien werden heute bevorzugt Nicht-Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien (NOAK bzw. direkte orale Antikoagulanzien, DOAK) eingesetzt. Da NOAK renal ausgeschieden werden, steigt bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen das Risiko für Blutungen. Auch bei Leberfunktionsstörungen steigt das Blutungsrisiko, wenn das Organ nicht mehr genug Blutgerinnungsfaktoren bereitstellen kann.

Mehr zum Thema

Nutzenbewertung

IQWiG sieht keinen Zusatznutzen für Xarelto-Antidot

Neue orale Antikoagulanzien

Bei angeborenem Herzfehler NOAK meiden

Um Blutungen zu vermeiden, wählen Mediziner:innen mitunter niedrigere Dosierungen, als in den Fachinformationen empfohlen wird. Oftmals veranlassen Begleiterkrankungen oder die Begleitmedikation der Patienten behandelnde Ärzte, als Vorsichtsmaßnahme ihren Patienten Off-Label-Dosierungen zu empfehlen. Nach einer im „Journal of American Heart Assosiation“ veröffentlichten Studie ist die Dosierung von 10 Prozent der mit NOAK therapierten Patienten zu niedrig, in dessen Folge das Risiko für Schlaganfälle steigt. Eine weitere Meta-Analyse deutet darauf hin, dass zwischen 25 und 50 Prozent der NOAK-Patienten inadäquate Dosierungen erhalten. Für Patienten steigen dabei die Gesamtmortalität und das Risiko, aufgrund kardiovaskulärer Ereignisse im Krankenhaus behandelt zu werden.

Web-App als schnelle Entscheidungshilfe

Obwohl nicht-Vitamin-K-abhängige orale Antikoagulanzien alltäglich eingesetzt werden, ist die richtige Auswahl des Arzneimittels sowie dessen Dosierung nicht einfach. „Da kein Arzt oder Apotheker alle entsprechenden Informationen zu möglichen Medikamenten und deren Dosisanpassungen im Kopf haben kann, ist der Bedarf an konkreten Entscheidungshilfen bei der Auswahl und Dosierung groß“, meint Professor Haefeli, ärztlicher Direktor der Klinischen Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am Universitätsklinikum in Heidelberg. Er und seine Mitarbeiter:innen entwickelten die neue Web-App easyDOAK, die das Problem lösen soll. Sie richtet sich an Ärzte und Apotheker und zeigt nach wenigen Klicks, mit denen Nutzer wichtigste Patientenparameter (Alter, Gewicht, Nierenfunktion) einpflegen, konkrete Dosierungs- und Arzneimittelempfehlungen an. Die Empfehlungen stützen sich auf Peer-Review-Daten und den Fachinformationen der NOAK. „Wenn komplizierte Zusammenhänge gut aufbereitet werden, verlieren sie ihren Schrecken“, so Haefeli. EasyDOAC ist kostenlos und online sowie offline auf dem Smartphone, dem Tablet und am PC nutzbar.

Die Wissenschaftler der Universität Heidelberg um Professor Haefeli entwickelten die App zusammen mit dem Darmstädter Software-Unternehmen Bayoocare. Letztere übernahmen auch die Konformitätsbewertung und das Inverkehrbringen der Anwendung easyDOAK als Medizinprodukt. Initiator der Kooperation war das japanische Pharmazeutische Unternehmen Daiichi Sankyo, gleichzeitig Hersteller von Lixiana (Edoxaban). Daiichi Sankyo unterstützt die Vermarktung, arbeitete aber auch am Design und der Nutzerfreundlichkeit mit.

Auch ein digitales Werkzeug für die Offizin?

Bei der App hinterlegten die Entwickler einerseits ein Tool, um die Nierenfunktion anhand der Cockroft-Gault-Formel zu schätzen. Andererseits können Nutzer mit dem in der klinischen Praxis etablierten HAS-BLED-Score das patientenindividuelle Blutungsrisiko und mit dem CHA2DS2-VASc-Score das Risiko für Schlaganfälle beurteilen. Auch Arzneimittelinteraktionen lassen sich mit easyDOAK ermitteln. Eher für Ärzte relevant, aber auch für Apotheker interessant: Neben den vorgeschlagenen Dosierungen lassen sich die täglichen Therapiekosten und die vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewerteten Zusatznutzen der Arzneimittel einsehen.

Zwar haben Offizinapotheker:innen aktuell selten Zugang zu aktuellen Nierenparametern Ihrer Patienten. Doch im bundeseinheitlichen Medikationsplan sind häufig Informationen zur Nierenfunktion vermerkt. Verfügen Patienten über einen solchen, lohnt sich ein genauerer Blick. Professor Haefeli fügt gegenüber DAZ.online hinzu, dass er auch in Stationsapothekern eine Gruppe mit hoher Kompetenz sieht, die Fehldosierungen korrigieren könnten. Seit Anfang 2021 ist durch das Krankenhauszukunftsgesetz förderungsfähig geworden, wenn Apotheker auf Station den Medikationsprozess prüfen. Auch soll das Gesetz die Pflege der elektronischen Patientenakte voranbringen, wodurch in Zukunft mehr und mehr Laborwerte in der Offizin abrufbar werden könnten. „Weltweit sind ein Drittel der mit NOAK behandelten Patienten fehldosiert. Irgendjemand mit der nötigen Kompetenz muss den Therapieprozess überprüfen – egal ob Arzt oder Apotheker“, so Haefeli.

Quelle: Den ganzen Artikel lesen