Natürliches Heilmittel aus dem Mittelalter wirkt gegen bakterielle Infektionen – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

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Wie wirksam ist Medizin aus dem Mittelalter heutzutage?

Ein aus natürlichen Zutaten zusammengestelltes Heilmittel aus dem Mittelalter könnte helfen, die weltweit zunehmende Antibiotikaresistenz zu bekämpfen. Das Mittel scheint besonders zur Behandlung biofilm-assoziierter Infektionen geeignet zu sein.

Bei einer Untersuchung an der School of Life Sciences der University of Warwick wurde festgestellt, dass ein altes Heilmittel aus dem Mittelalter wirksam bei biofilm-assoziierten Infektionen zu sein scheint. Die Ergebnisse wurden in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Scientific Reports“ veröffentlicht.

Wie sichern Bakterien ihr Überleben?

Bakterien überleben auf zwei unterschiedliche Arten, entweder als einzelne planktonische Zellen oder als multizellulärer Biofilm. Solch eine Biofilm trägt dazu bei, die Bakterien vor Antibiotika zu schützen, wodurch sie viel schwieriger zu behandeln sind. Ein Biofilm, der sich nur sehr schwer behandeln lässt, tritt beispielsweise bei diabetischen Fußgeschwüren auf.

Die Forschenden versuchten ein natürliches Heilmittel zu finden, um die Lücke bei Behandlung mit Antibiotika zu schließen. Dabei stellten sie fest, dass mittelalterliche Methoden mit natürlichen antimikrobiellen Mitteln aus alltäglichen Inhaltsstoffen helfen könnten, das Problem zu lösen.

Woraus bestand das 1.000 Jahre alte Heilmittel?

Aufbauend auf früheren Forschungsarbeiten der University of Nottingham über die Verwendung mittelalterlicher Heilmittel zur Behandlung von MRSA rekonstruierten die Forschenden der University of Warwick ein bereits 1.000 Jahre altes mittelalterliches Heilmittel, welches Zwiebel, Knoblauch, Wein und Gallensalze enthält. Das Mischung zeigte eine vielversprechende antibakterielle Wirkung. Das Team stellte aber fest, dass die Mischung auch geringe Schäden an menschlichen Zellen verursacht.

Wogegen könnte das Mittel wirksam sein?

Das Mittel ist gegen eine Reihe von gramnegativen und grampositiven Wundpathogenen in planktonischer Kultur wirksam und könnte gegen Erreger eingesetzt werden, die als Biofilme vorkommen, wie beispielsweise Acinetobacter baumanii, Stenotrophomonas maltophilia, Staphylococcus aureus, Staphylococcus epidermidis und Streptococcus pyogenes. Alle diese Bakterien sind in den Biofilmen zu finden, die bei diabetischen Fußgeschwüre auftreten und die gegen eine Behandlung mit Antibiotika resistent sein können. Nicht selten wird bei solchen Geschwüren eine Amputation erforderlich, um zu verhindern, dass sich die Bakterien im Blut ausbreiten und eine tödliche Bakteriämie verursachen.

Antibiotische Aktivität beruht nicht auf einzelnem Inhaltsstoff

Die Verwendung von Knoblauch, der Allicin enthält, könnte die Aktivität gegen planktonische Kulturen erklären. Knoblauch allein bewirkt jedoch keine Aktivität gegen Biofilme, und daher kann die antibiotische Aktivität des Heilmittels nicht auf einen einzigen Inhaltsstoff zurückgeführt werden, sondern es erfordert die Kombination aller Inhaltsstoffe, um die volle Aktivität zu erreichen, berichten die Forschenden.

Heilmittel hat Potenzial für wirksame antibakterielle Behandlung

Es zeigte sich, dass das mittelalterliches Heilmittel aus Zwiebel, Knoblauch, Wein und Galle eine Reihe von problematischen Bakterien abtöten kann, die sowohl planktonisch als auch als Biofilme heranwachsen. Da die Mischung weder den menschlichen Zellen im Labor noch Versuchstieren (Mäusen) großen Schaden zugefügt hat, könnte aus dem Mittel möglicherweise eine sichere und wirksame antibakterielle Behandlung entwickelt werden, erklärt die Forschungsgruppe.

Sollten nur einzelne Verbindungen erforscht werden?

Ein großer Anteil der heutzutage verwendeten Antibiotika stammt aus natürlichen Verbindungen. Die Ergebnisse der aktuellen Forschungsarbeit unterstreichen die Notwendigkeit, nicht nur einzelne Verbindungen, sondern auch Mischungen von Naturprodukten zur Behandlung von Biofilm-Infektionen zu erforschen.

Inhaltsstoffe durch realistischen Modelle überprüfen

Die Identifizierung neuer Antibiotika aus Naturprodukten könnte durch die Untersuchung verschiedener Kombinationen von Inhaltsstoffen anstelle von Einzelpflanzen oder Verbindungen verbessert werden, erklären die Forschenden. Die aktuelle Studie zeige, wie wichtig es ist, bei der Suche nach neuen Antibiotika realistische Modelle zu verwenden. Obwohl eine einzige Komponente ausreiche, um planktonische Kulturen abzutöten, scheitere sie an realistischeren Infektionsmodellen, bei denen das vollständige Mittel jedoch erfolgreich ist, so die Forschungsgruppe weiter. (as)

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