Mein liebes Tagebuch

Mein liebes Tagebuch

Weihnachtszeit ist Coronazeit – leider: Die Zahlen steigen unaufhaltsam. Demnächst 3G auch am Arbeitsplatz, auch in Apotheken. Wann kommt die Impfpflicht für Gesundheitsberufe? Die Apotheken stehen mit der Impfspritze bereit und wollen beim Boostern helfen. Das RKI will’s, die Politik ist dagegen – so kommen wir nicht weiter. Immerhin, bald gibt’s Strafen für Hersteller und Nutzer gefälschter Impfdokumente. Weihnachtszeit ist Geheimniszeit – noch immer: Die Dienstleistungen sind immer noch unter Verschluss, aber wir wissen schon, wie das Honorar, das noch nicht feststeht, dafür abgerechnet wird. Weihnachtszeit ist Freudezeit: Ampelkoalitionäre wollen die Apotheken-Dienstleistungen besser honorieren. Oh du schöne Weihnachtszeit. 

15. November 2021

Die Zahlen der Corona-Infizierten und der Corona-Patienten gehen durch die Decke. Mit 3G, 2G und  jetzt schon 2G+ versucht man die Welle zu brechen. Und natürlich soll das Boostern helfen – doch das Tempo der Impfungen, die derzeit überwiegend in Arztpraxen und in wenigen Impfzentren stattfinden, ist zäh. Noch-Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die Ärzte bereits mit mehr Geld (28  Euro Honorar statt 20 Euro und am Wochenende sogar 36 Euro) für ein schnelleres Tempo beim Impfen begeistern. Der Staat will sich das Boostern also was kosten lassen. Nun ja, mein liebes Tagebuch, ob das genug Anreiz für die Ärzte ist? Bei einigen Gesundheitspolitikern und auch unter den möglichen Ampel-Koalitionären mehren sich die Stimmen, die Apotheken mit ins Boostern einzubeziehen – dass sie Impfen können, haben viele Apothekers bereits bei der Grippeschutzimpfung gezeigt. Stefan Hartmann, Chef des Bundesverbands deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) meint: Schnelles Boostern wird nur mit den Apotheken möglich sein. Er verweist auch darauf, dass bereits in Apotheken von acht europäischen Ländern gegen Covid-19 geimpft wird. Mein liebes Tagebuch, auch in den USA sind die Apotheken in die Impfstrategie mit eingebunden. Warum nicht bei uns? Sogar der Chef des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, spricht sich dafür aus, dass in Apotheken gegen Covid-19 geimpft werden sollte – das könnte das Impftempo erhöhen, so Wieler. Man braucht niedrigschwellige Angebote, „je schneller geimpft wird, desto besser, sonst kriegen wir diese Krise nicht in den Griff“. Mein liebes Tagebuch, mehr Hilferuf geht doch schon gar nicht mehr. Die Apotheken, zumindest diejenigen, die bereits gegen Grippe impfen, stehen bereit, wie eine Umfrage des Apothekerverbands Nordrhein zeigt. Der Verband hält es für möglich, allein in Nordrhein mindestens 25.000 Impfungen pro Woche durchzuführen. Und wenn, wie es so nett beim AV Nordrhein heißt, adäquat honoriert wird, geht sogar noch mehr. Mein liebes Tagebuch, wer will dieses Angebot ausschlagen? Die Apotheken können’s, die Apotheken sind dabei und eine kleine Schippe mehr an Honorar bringt den Impf-Turbo.

Selbst Angela Merkel, unsere geschäftsführende Bundeskanzlerin, ist überzeugt, dass es sinnvoll ist, Apotheken ins Impfgeschehen gegen Covid-19 einzubeziehen, wie sie mit einem Vorstoß auf der Bund-Länder-Konferenz deutlich machte. Doch hier stieß sie bei den Länderchefs auf Widerstand. Die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten fürchten, dass die Einbeziehung der Apotheken in die Covid-19-Impfungen die Organisation verkompliziere. Mein liebes Tagebuch, was haben die denn für Vorstellungen von Apotheken! Haben wir nicht in den zurückliegenden Pandemie-Monaten bewiesen, dass alles, was wir angepackt haben, reibungslos lief? Und wenn es doch irgendwo hakte, dann lag es nicht an uns. Also: Die Apotheken stehen bereit!

Quelle: Den ganzen Artikel lesen