Max Müller bei Bayer: Glyphosat, Welthunger und Klimaschutz

Max Müller bei Bayer: Glyphosat, Welthunger und Klimaschutz

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat ein Imageproblem. Spätestens seit der Übernahme des US-Chemiekonzerns Monsanto steht Bayer wegen des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in der Kritik. Um die Reputation des Konzerns zu verbessern, kommt jetzt einer der erfahrensten und effektivsten Lobbyisten des Gesundheitswesens: Max Müller, derzeit noch Chefstratege bei DocMorris. Bei Bayer wird sich Müller nicht nur um Glyphosat, sondern auch um andere Nachhaltigkeitsthemen kümmern. Sein neuer Chef war wegen eines fragwürdigen Wechsels in den Lobbyismus ebenfalls aufgefallen.

Liest man die DocMorris-Pressemitteilung vom heutigen Dienstag, entstehen gleich mehrere offene Fragen: Der Abgang von Max Müller ergibt – zumindest von außen betrachtet – wenig Sinn. Man fragt sich: Warum lässt Zur Rose-Chef Walter Oberhänsli seinen wichtigsten Lobbyisten ziehen? Die Erfolge von Müller sind schwer zählbar. Aber bei einem genaueren Blick wird deutlich, was der 44-jährige Lobbyist für die Niederländer erreicht hat. So ist es sehr wahrscheinlich, dass Müller in Sachen Rx-Versandverbot seine politischen Kontakte in Bewegung setzte. Sein fast freundschaftlicher Kontakt zu Ex-Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries lässt erahnen, was die Ablehnung der SPD-Bundestagsfraktion gegen das Rx-Versandverbot in der vergangenen Legislaturperiode mit erzeugte. 

Mindestens ebenso wichtig und wirksam ist Müllers Konzept zur Außendarstellung von DocMorris. Dass mehrere deutsche Gerichte den Niederländern und ihren Rx-Boni Rechtswidrigkeit bescheinigten, dass DocMorris mehrfach gerichtlich angeordnete Ordnungsgelder missachtete und dass gerade vor wenigen Monaten ein neues dazu kam, weil der Konzern weiterhin mit seinen Absenderadressen „schummelt“, ist alles wenig bekannt in der Bevölkerung. Denn Müller hat es geschafft, das Image des Konzerns inzwischen mit modernen und „coolen“ Themen zu belegen: Er hat DocMorris als Inbild der Digitalisierung inszeniert und schafft es derzeit, mit einer bundesweiten Posterkampagne das Thema „E-Rezept“ in den Köpfen der Menschen mit den grün-weißen Konzernfarben zu belegen. Der Apothekenmarkt befindet sich im Wandel – dass es überhaupt zu diesem Wandel kam, liegt nicht zuletzt an Max Müller.

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Zukünftig soll der gebürtige Hannoveraner seine Fähigkeiten aber nicht mehr zum Aufbrechen des Apothekenmarktes einsetzen, sondern für den Pharmakonzern Bayer. Warum ergibt ein Wechsel von Müller zu Bayer Sinn? Um diese Frage zu beantworten, genügt ein Blick in die Berichterstattung rund um den Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern in den vergangenen Monaten und Jahren. Das Thema Glyphosat, also die Monsanto-Übernahme, dominiert: Es gibt Klagen und Schadenersatz-Zahlungen in den USA, nach wie vor gibt es Studien, die von einer möglichen Kanzerogenität berichten, und ob es sich gelohnt hat, knapp 60 Milliarden Euro für Monsanto auszugeben, wird ebenfalls hinterfragt. Doch Glyphosat ist nicht die einzige Baustelle für Bayer: Auch im Arzneimittelbereich hatte der Pharmakonzern mit seinem OTC-Präparat Iberogast zuletzt nicht nur für gute Schlagzeilen gesorgt.

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