Maßnahmen im Epidemiologen-Check: Das taugt das geplante Inefktionsschutzgesetz

Maßnahmen im Epidemiologen-Check: Das taugt das geplante Inefktionsschutzgesetz

Nun hat Karl Lauterbach verkündet, wie er sich den Corona-Schutz im Herbst vorstellt. Die Maßnahmen des neuen Infektionsschutzgesetzes sind auf den Weg gebracht. Wie sinnvoll sind sie? Wie gut sind wir damit für die kalte Jahreszeit gerüstet? Der Plan im Epidemiologen-Check.

Als „gut gerüstet“ sieht Gesundheitsminister Karl Lauterbach Deutschland für den Herbst. Vorschläge für das neue Infektionsschutzgesetz (IfSG) liegen auf dem Tisch.

Das sollen die bundesweit geltenden Maßnahmen sein:

  • Maskenpflicht in Bus, Bahn und Flieger
  • Masken- und Testpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
  • Für frisch Geimpfte, Genesene, Patienten und Bewohner soll das nicht gelten

Mehr dazu lesen Sie hier: Diese Corona-Regeln sollen ab Oktober gelten

Kurz nach Bekanntwerden gab es sowohl Zuspruch als auch Kritik von unterschiedlichen Seiten. „Wenn bei der Maskenpflicht beispielsweise danach differenziert werden soll, ob die letzte Impfung drei oder vier Monate zurückliegt, dann frage ich mich, wie das im Alltag funktionieren soll“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Ulrich Weigelt, der „Rheinischen Post“.

Der Virologe Hendrik Streeck warnte, dass Deutschland sich angesichts unterschiedlicher Maßnahmen je nach Bundesland in einen Flickenteppich verwandeln könnte. Um das zu vermeiden, brauche es klare Vorgaben für die Länder, wann diese Maßnahmen wie die Maskenpflicht an Schulen ergreifen sollten, sagte Streeck am Mittwoch dem Fernsehsender Welt.

Ralf Reintjes, Epidemiologe an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften, bewertet für FOCUS Online die einzelnen Maßnahmen:

Diese Corona-Regeln sollen deutschlandweit gelten

  • Maskenpflicht in Bus, Bahn und Flieger
    Epidemiologen-Check: sehr sinnvoll, da hier viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen und teilweise über längere Zeit exponiert sind (z.B. Zug, Flugzeug).
  • Masken- und Testpflicht in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen
    Epidemiologen-Check: sehr sinnvoll, da hier vulnerable Personen aufeinander treffen, die bei einem ausgeprägten Infektionsrisiko ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben.
  • Für frisch Geimpfte, Genesene, Patienten und Bewohner soll das nicht gelten
    Epidemiologen-Check: Wie soll das in der Praxis ablaufen? Ich sehe hier die Gefahr, dass die Umsetzung in der Praxis erschwert wird und somit der Schutzeffekt der Maßnahmen verringert wird. In der Epidemiologie spricht man von einem zu erwartenden Verdünnungseffekt.

Paula Markert/HAW Hamburg Epidemiologe Ralf Reintjes

Zur Person

Ralf Reintjes ist Professor für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung an der Hamburg Universität für Angewandte Wissenschaften. Seine Schwerpunkte liegen in der Untersuchung von Infektionskrankheiten, Expertise in Surveillance und Pandemic Preparedness auf nationaler Ebene sowie international (vorallem Europa, Asien und Afrika).

Diese Möglichkeiten sollen die Länder zusätzlich haben

  • Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Innenräumen und dem Personennahverkehr
    Epidemiologen-Check: Sehr sinnvoll gerade im Herbst und Winter, wo sich sehr viele Menschen in öffentlichen Innenräumen aufhalten werden, was nachgewiesenermaßen zu einem weiteren Anstieg der Infektionen beitragen wird. Aus epidemiologischer und aus Sicht der praktischen Realisierbarkeit zum Schutz vieler Bürger wäre eine bundeseinheitliche Regelung sinnvoller als ein Flickenteppich.
  • Bei Kultur- und Sportveranstaltungen und in Restaurants soll es allerdings Ausnahmen für getestete, frisch geimpfte und frisch genesene Menschen geben.
    Epidemiologen-Check: Dieses wird den Schutzeffekt, wie oben geschrieben, wieder reduzieren und die praktische Umsetzung erschweren. In der Praxis werden Personen mit erhöhtem Risiko diese Bereiche dann meiden müssen, was zu einer massiven Einschränkung der Freiheit von vielen Menschenführen wird.
  • Testpflicht in Schulen, Kitas und Einrichtungen zur Unterbringung von Asylbewerbern
    Epidemiologen-Check: sinnvoll, um Ausbrüche frühzeitig erkennen zu lassen und dann durch gezieltes Vorgehen eine weitere Verbreitung einzuschränken.
  • Maskenpflicht in der Schule ist nur vorgesehen, wenn sonst kein geregelter Präsenzunterricht möglich wäre – und auch dann nur ab dem fünften Schuljahr.
    Epidemiologen-Check: Da Schulen auch öffentliche Innenräume sind, in denen viele Schüler für lange Zeit auf oft engem Raum zusammen sind, ist es aus epidemiologischer Sicht schwer nachvollziehbar, warum dieses hier erschwert werden soll, zumal mit der Schulpflicht ja auch keine Freiheit für gefährdete Personen, die Schule zu meiden.

Diese Möglichkeiten soll es im Infektionsschutzgesetz geben, wenn eine Gefahr für die kritische Infrastruktur eines Landes bestehe

  • Maskenpflichten bei Veranstaltungen draußen, wenn Mindestabstände nicht eingehalten werden können
  • Dann soll es auch keine Ausnahmen für Getestete, Genesene und Geimpfte geben
  • Mindestabstand von 1,5 Metern
  • Personenobergrenzen für Veranstaltungen in öffentlich zugänglichen Innenräumen

Epidemiologen-Check: All diese Punkte bewertet der Hamburger Epidemiologe als sinnvoll. Die Maßnahmen sollen vom 1. Oktober 2022 bis zum 7. April 2023 gelten. Als nächstes wird sich das Kabinett mit den Vorschlägen befassen, dann ist der Bundestag am Zug.

Hierzu lautet Reintjes' Fazit: „Ein Ende der Maßnahmen Anfang April ist sehr optimistisch. In den letzten Jahren war da das Infektionsgeschehen noch sehr hoch.“ Die Zeit werde zeigen, wie die optimistischen Empfehlungen sich auf die Gesellschaft auswirken werden.

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