"Johnson&Johnson": Stiko rät zur Zweitimpfung – die wichtigsten Infos für Betroffene

"Johnson&Johnson": Stiko rät zur Zweitimpfung – die wichtigsten Infos für Betroffene

Nur eine Spritze und trotzdem ein kompletter Impfschutz: Eine Impfung mit dem Einmal-Impfstoff von Janssen, auch bekannt unter "Johnson&Johnson", ist praktisch. Das Robert Koch-Institut (RKI) listet aktuell 3,2 Millionen Menschen, die eine solche Impfung in Deutschland erhalten haben. Seit vergangener Woche rät die Ständige Impfkommission (Stiko) all jenen nun aber zu einer zweiten Impfung mit einem mRNA-Vakzin – eine entsprechende Änderung der Empfehlung wurde auf den Weg gebracht. In Frage kommen die Impfstoffe von Biontech/Pfizer oder Moderna.

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Warum hat die Stiko einen solchen Rat ausgesprochen? Und wann sollte die zweite Spritze gegeben werden? Ein Überblick über die wichtigsten Infos.

Das Janssen-Vakzin ist als Einmal-Impfstoff zugelassen. Warum soll nun eine zweite Impfung empfohlen werden?

In Deutschland überwacht das Robert Koch-Institut die Zahl sogenannter Impfdurchbrüche. Ein Impfdurchbruch ist eine nachgewiesene Corona-Erkrankung bei einer vollständig geimpften Person. Die Daten zeigen, dass Impfdurchbrüche bei dem Janssen-Impfstoff häufiger als bei anderen Vakzinen zu beobachten sind. "Weiterhin wurde für den Janssen-Impfstoff im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen eine vergleichsweise geringe Impfstoffwirksamkeit gegenüber der Delta-Variante beobachtet", schreibt die Stiko in einer Mitteilung. 

Die Stiko-Expertinnen und -Experten gehen deshalb von einem "ungenügenden" Impfschutz nach nur einer Janssen-Dosis aus und empfehlen, die Grundimmunisierung mit einer zusätzlichen mRNA-Impfstoffdosis zu "optimieren". Generell schützen aber alle Covid-19-Impfstoffe "effektiv und langanhaltend" vor schweren Erkrankungen und Tod durch Covid-19, betont die Stiko.

Bislang handelt es sich bei der aktualisierten Stiko-Empfehlung um einen Beschlussentwurf. Sind noch Änderungen möglich?

Grundsätzlich ja. Bestimmte Fachkreise und die Bundesländer können zu der geplanten Aktualisierung noch Stellung beziehen. Die aktualisierte und endgültige Stiko-Empfehlung soll dann zeitnah veröffentlicht werden. 

Der aktuelle Beschlussentwurf sieht auch Auffrischimpfungen für bestimmte Personengruppen, etwa Menschen ab 70 Jahren oder Pflegebedürftige in Heimen, vor – unabhängig vom zuvor verwendeten Impfstoff. Bisher gibt es eine solche Empfehlung lediglich für Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Wie unterscheiden sich der Janssen-Impfstoff und der mRNA-Impfstoff? 

Der Janssen-Impfstoff ist ein sogenannter Vektor-Impfstoff. Er enthält harmlose Vektorviren, die sich nicht vermehren können und die genetische Information für ein einzelnes Eiweiß des Coronavirus transportieren, das sogenannte Spikeprotein. Diese Information wird im Körper abgelesen und die Zellen beginnen damit, das Virusprotein selbst herzustellen. Im Anschluss bildet der Körper Antikörper gegen das Spikeprotein. Die im Impfstoff enthaltenen Vektorviren werden im Körper nach kurzer Zeit abgebaut. Auch die Produktion des Spikeproteins endet damit.

mRNA-Impfstoffe enthalten lediglich den Bauplan für das Spikeprotein in Form von sogenannter "messenger-RNA". Dieser Bauplan wird in den Muskelzellen an der Impfstelle "abgelesen" und die Zellen beginnen damit, das Spikeprotein selbst herstellen. Das Immunsystem erkennt diese Eiweiße als fremd an und baut eine schützende Immunantwort auf. Die im Impfstoff enthaltene mRNA wird im Körper nach einigen Tagen abgebaut. Auch die Produktion des Spikeproteins endet dann. 

Gibt es Erfahrungen mit sogenannten Kreuzimpfungen – erst Vektorimpfstoff, dann mRNA-Vakzin?

Ja, die gibt es, und zwar mit dem Vektorimpfstoff von Astrazeneca. Für einen vollständigen Impfschutz sind bei diesem Impfstoff zwei Dosen erforderlich. Personen, die Astrazeneca als erste Dosis erhalten haben, haben meist ein mRNA-Vakzin als zweite Dosis erhalten. Der Hintergrund war auch hier eine aktualisierte Stiko-Empfehlung aufgrund einer besseren Impfstoffwirksamkeit.

Mit welchem zeitlichen Abstand sollte die mRNA-Impfung gegeben werden?

Die Stiko-Expertinnen und -Experten empfehlen, die mRNA-Impfung "ab vier Wochen nach der Janssen-Impfung" zu geben. 

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Ist die geplante Empfehlung zum Janssen-Impfstoff verpflichtend?

Nein, die geplante Empfehlung ist nicht verpflichtend. Betroffene können selbst entscheiden, ob sie eine zweite Impfstoffdosis wünschen. 

Gibt es genug Impfstoff und wo kann ich mich impfen lassen?

Impfstoff ist ausreichend vorhanden. Interessierte können sich an niedergelassene Ärzte wenden. Mitunter muss allerdings abgewartet werden, bis die endgültige Stiko-Empfehlung vorliegt.

Quelle:Mitteilung der Ständigen Impfkommission (Stiko)

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