Immunität bei Covid-19-Genesung? Top-Virologe Drosten bleibt bei seiner Meinung

Immunität bei Covid-19-Genesung? Top-Virologe Drosten bleibt bei seiner Meinung

Top-Virologe Christian Drosten hat sich am Dienstag in seinem NDR-Podcast zwei wichtigen Themen gewidmet: Der Forderung, Intensivbetten wieder für Nicht-Covid-19-Patienten freizugeben. Und der Frage nach der Immunität nach Genesung. Diesbezüglich macht er Hoffnung.

Zuletzt sorgte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für Aufsehen, indem sie behauptete, es gebe keinen Beweis für eine Immunität nach einer Corona-Erkrankung. Das hat viele Menschen aufgeschreckt. Drosten bleibt bei seiner propagierten These: „Ich gehe weiter vollkommen davon aus, dass es eine Immunität gibt. Die mag nach zwei Jahren – oder etwas länger nachlassen.“

An der Charité hat Drosten jedoch auch Beobachtungen gemacht, die Zweifel säen. „Wir sehen jetzt schon bei Patienten, dass Antikörper nach zwei Monaten nachlassen – bei wenigen Einzelpatienten.“ Das sei aber gar nicht so wichtig. „Antikörper sind nur ein Hinweis auf die Immunität. Es ist nicht so, dass die Antikörper allein die Immunität machen und bewerkstelligen“, erklärt der Virologe.

dpa/Roland Weihrauch/dpa Die Kapazität der Intensivbetten und Beatmungsgeräte musste in Deutschland noch nicht ausgereizt werden.  

Drosten zur WHO-These: Soziale Stigmatisierung vermeiden

Ein positiver Nebeneffekt sei ebenfalls nicht zu vernachlässigen: „Wer positiv ist, hat die Krankheit überstanden.“ Das verleihe einen Schutz. Und selbst später könne man sich nicht mehr so leicht infizieren und würde auch „weniger Virus“ ausscheiden. „Wer die Infektion hinter sich hat, ist schon so etwas wie immun.“

Die WHO-Empfehlungen sei auf hohem Niveau gedacht. Seiner Meinung nach gehe es der Organisation mehr darum, eine „soziale Stigmatisierung“ zu verhindern. Falls man zweifelhafte Immunitätsausweise ausgebe, würde das privat und beruflich zwangsläufig zu Problemen und Benachteiligungen führen, weil Firmen vielleicht nur Menschen mit nachgewiesener Immunität einstellen oder man im Freundeskreis ausgeschlossen würde, wenn man einen solchen Ausweis nicht habe. „Das zersetzt die Gesellschaft“, mahnt Drosten.

Ein Grund, warum Deutschland die Corona-Krise mit verhältnismäßig wenigen Toten im Vergleich zu der hohen Zahl an Infizierten überstanden hat, ist das sehr gut ausgestattete deutsche Gesundheitssystem mit vielen Intensivbetten, die unter der Regie von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) noch einmal auf mehr als 40.000 Einheiten aufgestockt wurden.

Nun sind die Infektionszahlen in Deutschland rückläufig. Der Effekt: Viele tausend Corona-Plätze werden nicht genutzt, reguläre Operationen und Behandlungen können nicht stattfinden, weil Kapazitäten für Corona-Fälle freigehalten werden. Das soll sich ändern und Virologe Drosten zeigt dafür Verständnis, dass sich Krankenhäuser dem Normalbetrieb annähern wollten.

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Drosten: Kompromissspiel, aber Intensivbetten freigeben

Die Grundlagen für eine Rückkehr Richtung regulären Betriebs sieht der Virologe derzeit als günstig an: „Natürlich ist es auf eine Art berechtigt zu sagen, wir haben es jetzt geschafft, die Intensivbetten so freizuhalten und wir sind mit der Reproduktionsrate im niedrigen Bereich.“ Eine Reproduktionszahl von 1,0 halte der Wissenschaftler für „die Intensivstationen zu verkraften“ – das heißt, ein Corona-Infizierter steckt im statistischen Mittel einen weiteren Menschen an.

Da wäre es die nur logische Konsequenz, „dass man Intensivbetten auch wieder freigibt, damit ein normaler Operationsbetrieb losgehen kann.“ Ein Restrisiko bleibe, aber das „Kompromissspiel“ sei einen Versuch wert. Schließlich könne man zur Not wieder zu dem derzeitigen Status zurückkehren: „Wir müssen aufpassen, dass man auch wieder in die andere Richtung gehen kann, wenn sich die Zahlen verändern, eine gewisse Flexibilität ist da.“

„Krankenhäuser sind auch Wirtschaftsbetriebe“

Auch die Charité müsse „irgendwann wieder Geld verdienen“, räumt Drosten ein: „Man darf nicht vergessen, dass Krankenhäuser auch Wirtschaftsbetriebe sind.“ Die Mediziner selbst werden ebenso unruhig: „Ärzte wollen operieren.“

 

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