Immer mehr Grippe-Fälle bei Kindern – wann Eltern zum Arzt gehen sollten

Immer mehr Grippe-Fälle bei Kindern – wann Eltern zum Arzt gehen sollten

In den letzten Wochen verzeichnet das Robert-Koch-Institut einen enormen Anstieg der Influenza-Fallzahlen bei Kindern. Wir geben einen Überblick über die Ursache dieser plötzlichen Grippe-Welle, welche Symptome auftreten und wann Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen sollten.

Seit einigen Wochen nimmt die Zahl an Influenza-Infektionen deutlich zu. Bundesweit verzeichnet das Robert-Koch-Institut (RKI) immer mehr Grippe-Kranke: Die Fälle haben sich im vergangenen Monat nahezu verdoppelt.

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Gerade in Schulen und Kitas ist dies zu spüren. Vor allem in der Altersgruppe der 5- bis 14-Jährigen steigen die Fallzahlen. „Die Influenza-Positivenrate bei Kindern hat in der 17. und 18. Kalenderwoche 2022 eine Höhe erreicht, die im Winter den Beginn der saisonalen Grippe-Welle bedeuten würde“, teilt auch die AG Influenza des RKI-Instituts in ihrem Wochenbericht für die 18. Kalenderwoche mit. Die Zahl der Infektion bei Erwachsenen sinke hingegen.

Auch Burkhard Rodeck, Leiter der Kinder-Gastroenterologie im Christlichen Kinderhospital Osnabrück und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin berichtet gegenüber „Spiegel“ von einem clusterartigen Auftreten der Influenza seit dem Ende der Osterferien.

Mediziner: Mehr Grippe-Fälle als Folge der Lockdowns

Überraschend findet Rodeck dies allerdings nicht. Kinder und Jugendliche seien in den vergangenen Jahren der Pandemie durch Lockdown, Kontaktbeschränkungen und Abstandsregelungen seltener mit verschiedenen Viren in Kontakt gekommen. Zudem sei durch die Maßnahmen die typische Grippesaison im ersten Quartal des Jahres ausgefallen. Das Immunsystem kenne die aktuellen Erreger demnach nicht, schlage jetzt aber vermehrt auf diese an.

Vergleichbar sei die aktuelle Lage mit dem Anstieg der Atemwegsinfektionen – zum Beispiel mit RSV – bei Kindern im vergangenen Sommer und Herbst. Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen musste sich das Immunsystem der Kinder zum gleichen Zeitpunkt vermehrt mit den Keimen und Erregern auseinandersetzen – die Fallzahlen erreichten einen Peak. Im Normalfall hätten sich die Infektionen über mehrere Monate erstreckt und wären so nicht aufgefallen.

“Kinder deutlich kränker als bei Corona"

Der Peak der Grippe-Welle könne aber möglicherweise erst noch kommen. Martin Karsten, Kinderarzt in Berlin, warnt vor einem „enormen Anstieg“. Gegenüber RTL betont er: „Die Kinder sind jetzt deutlich kränker als die Kinder, die wir seiner Zeit bei Corona hatten.“ Zudem würden die Fälle bundesweit untererfasst werden, da das Grippevirus – wie auch das Coronavirus – mit einem Rachenabstrich nachgewiesen werden müsse. Die Dunkelziffer an Infektionen sei dem Kinderarzt nach hoch.

Eine Influenza-Infektion äußert sich typischerweise mit folgenden Symptomen:

  • 40 Grad Fieber an bis zu fünf oder sechs Tagen
  • Muskel- und Gliederschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • respiratorische Symptome wie Husten oder Schnupfen

Wann Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen sollten

Sobald Kinder länger als zwei bis drei Tage hohes Fieber oder andere Symptome aufweisen, sollten Sie beim Arzt auf das Virus getestet werden. Die Diagnose sei wichtig für die weitere Behandlung, betont Karsten.

Grippe-Impfung nur bei Vorerkrankungen empfohlen

Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Grippeimpfung derzeit dennoch nur für Kinder mit Vorerkrankungen.

Mögliche Vorerkrankungen können sein:

  • chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma)
  • Herz- oder Kreislauferkrankungen
  • Leber- oder Nierenkrankheiten
  • Diabetes oder andere Stoffwechselkrankheiten
  • chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose
  • angeborene oder später erworbene Störungen des Immunsystems oder HIV

Eine generelle Impfempfehlung gibt es nicht, da die Grippe bei gesunden Kindern oder Jugendlichen in der Regel nicht mit einem erhöhten Risiko für schwere Krankheitsverläufe einhergeht. In Einzelfällen kann die Impfung dennoch sinnvoll sein – wenn man zum Beispiel gefährdete Personen im nahen Umfeld anstecken könnte. Eine Influenza-Impfung muss zudem regelmäßig wiederholt werden, weil sich das Virus stetig ändert.

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