Fast kein Minus für die Kassen im ersten Quartal

Fast kein Minus für die Kassen im ersten Quartal

Die gesetzlichen Krankenkassen verbuchen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ein Minus von etwa 16 Millionen Euro und erzielen damit ein nahezu ausgeglichenes Finanzergebnis. Dabei wachsen die Ausgaben für Arzneimittel mit 6,5 Prozent weiterhin überproportional stark. Aber auch bei den Verwaltungskosten ist mit 18,5 Prozent ein ordentlicher Anstieg zu verzeichnen. Das Defizit aus dem Vorjahr fällt allerdings mit 6,7 Milliarden Euro noch einmal höher aus als zunächst gedacht.

Wie steht es um die Finanzen der GKV? Glaubt man Berichten von Kassenfunktionären aus der letzten Zeit, ist die Lage dramatisch. Im Gegensatz zur Apothekerschaft warten die Kassen daher sehnsüchtig auf Karl Lauterbachs Spargesetz. Mit 6,7 Milliarden Euro fällt das Defizit noch einmal eine Milliarde höher aus als in den vorläufigen Rechnungsergebnissen für 2021 ausgewiesen. Hintergrund sollen höhere Leistungsausgaben, vor allem für Pflegepersonalkosten im Krankenhaus, sein. Allerdings gibt es laut der Vorstandschefin des GKV-Spitzenverbands, Doris Pfeiffer, im Moment keine Veranlassung, für 2022 ein erneutes Defizit anzunehmen, wie sie kürzlich erklärte. Mit dieser Aussage deckt sich auch die Mitteilung des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) vom vergangenen Freitag zur „Finanzentwicklung der GKV im 1. Quartal 2022“.

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Demnach haben die 97 gesetzlichen Krankenkassen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres ein nahezu ausgeglichenes Finanzergebnis erzielt. Ein einmaliger Zuschuss des Bundes in Höhe von 14 Milliarden Euro habe maßgeblich dazu beigetragen, heißt es. Laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zeige das ausgeglichene Finanzergebnis im 1. Quartal, dass der im letzten Herbst beschlossene ergänzende Bundeszuschuss von 14 Milliarden Euro die Beitragssätze und die GKV-Finanzen wirksam und zielgenau gestützt habe. Auch über 2022 hinaus werde man für eine stabile Finanzierung der GKV sorgen, so der Minister.

Dickes Minus bei den Ersatzkassen

Insgesamt standen Einnahmen in Höhe von 71,7 Milliarden Euro Ausgaben in nahezu gleicher Höhe gegenüber. Das Defizit betrug etwa 16 Millionen Euro. Auf der hohen Kante hatten die Kassen zum Quartalsende noch 9,9 Milliarden Euro bzw. 0,4 Monatsausgaben. Das entspricht dem Zweifachen der gesetzlich vorgesehenen Finanzreserven in Höhe von 0,2 Monatsausgaben.

Es gibt allerdings große Unterschiede zwischen den einzelnen Kassen: Während die AOKen (81 Millionen Euro), die Innungskrankenkassen (64 Millionen Euro) und die Knappschaft (17 Millionen Euro) Überschüsse erzielten, verbuchten die Ersatzkassen (-199 Millionen Euro) und Betriebskrankenkassen (-8 Millionen Euro) hingegen ein Minus.

Schaut man sich die Ausgaben im Einzelnen an, gab es im ersten Quartal einen Anstieg bei Leistungsausgaben und Verwaltungskosten von 6,3 Prozent. Die Leistungsausgaben stiegen dabei um 5,7 Prozent, die Verwaltungskosten um 18,5 Prozent. Das BMG weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass die Rate bei den Leistungsausgaben auf einer coronabedingt niedrigen Basis des Vorjahresquartals aufsetzt und daher mit Blick auf die Entwicklung im weiteren Jahresverlauf mit Vorsicht zu interpretieren sei. Hinter dem Anstieg der Verwaltungskosten stecken hohe Altersrückstellungen einer einzelnen Krankenkasse. Daher dürfte sich der Ausgabenanstieg in diesem Bereich im weiteren Jahresverlauf abflachen, erwartet das BMG.

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Innerhalb der Leistungsausgaben sind die Ausgaben für Arzneimittel um 6,5 Prozent gestiegen – überproportional, wie es heißt. Sie weisen im Vergleich zu den zwei anderen großen Ausgabenbereichen (Krankenhaus und Ärzte) die höchste Dynamik auf – die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen sind um 4,3 Prozent gestiegen, die für ambulant-ärztliche Behandlungen um 2,7 Prozent. Bei den Ausgaben für ambulant ärztliche Behandlungen ist aber laut BMG zu berücksichtigen, dass gesetzliche Korrekturmaßnahmen derzeit die Kosten dämpfen, um ungewollte Doppelfinanzierungen für besondere ärztliche Leistungen nach dem Terminservice- und Versorgungsgesetz zu korrigieren.

Ebenfalls ein Anstieg ist bei den Ausgaben für Krankengeld zu verzeichnen – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent. Besonders zu Buche schlug hier das Kinderkrankengeld mit einem Plus von 12,9 Prozent. Dies zeige, dass die Erweiterung des Anspruchs auf Kinderkrankengeld für Eltern, die ihre Kinder pandemiebedingt zu Hause betreuen müssen, angenommen werde und einen Beitrag zur Unterstützung von Familien während der Pandemie leiste, so das BMG.

Das Ministerium weist darauf hin, dass die Ausgaben in vielen Leistungsbereichen, insbesondere bei Ärzten und Zahnärzten, von Schätzungen geprägt seien, da Abrechnungsdaten häufig noch nicht oder nur teilweise vorliegen. Das müssen man bei der Interpretation der Daten berücksichtigen.

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