Ethikrat-Empfehlung: So können wir zusammen die Corona-Krise bezwingen! – Naturheilkunde & Naturheilverfahren Fachportal

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Mit Solidarität und Verantwortung durch die Corona-Krise

In der Corona-Krise meldet sich nun auch der Deutsche Ethikrat zu Wort und legt Empfehlungen zur Bewältigung der Pandemie vor. Dabei hält er die derzeitigen Freiheitsbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie momentan für gerechtfertigt, ruft jedoch zu genauen Überprüfungen und einer möglichst baldigen schrittweisen Lockerung auf. Darüber hinaus empfiehlt der Ethikrat eine Reihe von Einzelmaßnahmen zur Bewältigung der Krise.

„Die gegenwärtige Pandemie fordert unsere Gesellschaft in beispielloser Form heraus und führt zu schwerwiegenden ethischen Konflikten“, schreibt der Deutsche Ethikrat in einer aktuellen Ad-hoc-Empfehlung zur Bewältigung der Coronavirus-Pandemie. In der Veröffentlichung „Solidarität und Verantwortung in der Corona-Krise“ gibt der Rat eine ethische Orientierungshilfe und Handlungsempfehlungen für die im Gesundheitssystem drohenden dramatischen Entscheidungssituationen.

Ethikrat befürwortet die Einschränkungsmaßnahmen

„Der Deutsche Ethikrat befürwortet die aktuell zur Eindämmung der Infektionen ergriffenen Maßnahmen, auch wenn sie allen Menschen in diesem Land große Opfer abverlangen“, so der Ethikrat in dem Empfehlungsschreiben. Die Freiheitsbeschränkungen sollten jedoch kontinuierlich mit Blick auf die vielfältigen sozialen und ökonomischen Folgelasten geprüft und möglichst bald schrittweise gelockert werden.

Ein ethischer Kernkonflikt

Der Kernkonflikt bestehe darin, dass auf der einen Seite ein dauerhaft hochwertiges, leistungsfähiges Gesundheitssystem gesichert werden muss und auf der anderen Seite schwerwiegende Nebenfolgen für Bevölkerung und Gesellschaft möglichst gering gehalten werden müssen. Dies erfordere eine gerechte Abwägung konkurrierender moralischer „Güter“. Unter dem Grundprinzipien „Solidarität und Verantwortung“ müsse ständig geprüft werden, in welchem Ausmaß und wie lange eine Gesellschaft die starken Einschränkungen verkraften kann.

Sorgsam mit Solidaritätsressourcen umgehen

„In dieser Krise ungekannten Ausmaßes können wir uns glücklich schätzen, so große Solidaritätsressourcen in unserer Gesellschaft zu besitzen“, betont Peter Dabrock, der Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Man müsse aber auch ehrlich sein – auch mit solchen Ressourcen gelte es sorgsam umzugehen und Spannungen zwischen unterschiedlichen Ansprüchen bedürftiger Gruppen fair auszuhandeln.

Die Lösung ist nicht nur Politiksache

Der Deutsche Ethikrat sieht sich als Schnittstelle zwischen Politik und Gesellschaft und möchte beide Seiten für die vorliegenden Problematiken sensibilisieren, denn die Lösung sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Dies sei keine Situation, die allein durch politische Entscheidungen und Handlungsanweisungen zu klären ist. Das widerspräche auch dem Grundgedanken der Demokratie. „Die Corona-Krise ist die Stunde der demokratisch legimitierten Politik“, so der Ethikrat.

Triage-Situationen vermeiden

In naher Zukunft sollte es laut dem Ethikrat darum gehen, sogenannte Triage-Situationen zu vermeiden. Dies sind Situationen, in denen Ärztinnen und Ärzte gezwungen werden zu entscheiden, wer eine intensivmedizinische Versorgung erhält und wer nachrangig behandelt wird. Der Staat dürfe nicht menschliches Leben bewerten und deshalb auch nicht vorschreiben, welches Leben in einer Konfliktsituation zu retten sei.

Die Bürde sollte nicht vom medizinischen Personal getragen werden

Die Bürde einer Entscheidungen über Leben und Tod sollte aber auch keinesfalls allein den einzelnen Ärztinnen und Ärzten überantwortet werden. Um dies zu vermeiden, seien einheitliche Handlungsmaxime für den klinischen Ernstfall nach wohlüberlegten, begründeten und transparenten Kriterien erforderlich, wofür auch eine allgemeine Akzeptanz in der Bevölkerung vorhanden sein müsse.

Eindämmung versus Wirtschaft

Die aktuellen freiheitsbeschränkenden Infektionsschutzmaßnahmen müssen laut Ethikrat fortlaufend kritisch evaluiert werden. Zwar stehe die Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus an erster Stelle, dabei dürfe man jedoch nicht die ökonomischen, kulturellen, politischen und psychosozialen Folgen außer Acht lassen. Die Schäden müssten möglichst gering gehalten werden. Deshalb müssten bald die Bedingungen für eine geordnete Rückkehr zu einem einigermaßen normalen gesellschaftlichen und privaten Leben mit regulären wirtschaftlichen Aktivitäten geprüft werden.

Diese Maßnahmen empfiehlt der Ethikrat

Darüber hält der Ethikrat folgende Einzelmaßnahmen für unabdingbar, um die Corona-Pandemie zu bewältigen:

  • Aufstocken und Stabilisieren der Gesundheitssystem-Kapazitäten;
  • ein flächendeckendes Systems zur Erfassung und optimierten Nutzung von Intensivkapazitäten;
  • Abbau bürokratischer Hürden;
  • bessere Vernetzung im Gesundheitssystem und mit anderen relevanten Gesellschaftsbereichen;
  • Ausbau von Testkapazitäten;
  • kontinuierliche Datensammlung und Auswertung zu Covid-19-Immunitäten sowie zu Krankheitsverläufen;
  • Forschungsförderung von Impfstoffen und Therapeutika gegen SARS-CoV-2;
  • Vorbereitung und Förderung für Einführung und Massenproduktionen geeigneter Behandlungsoptionen;
  • Unterstützung von interdisziplinärer Forschung zu sozialen, psychologischen und anderen Effekten der Maßnahmen im Rahmen der Covid-19-Pandemie;
  • Entwicklung von Schutz- und Isolationsstrategien für Risikogruppen;
  • eine transparente und regelmäßige Kommunikation zu ergriffenen Maßnahmen und zur politischen Entscheidungsfindung im Zusammenhang mit Covid-19;
  • konkrete Berechnungen der zu erwartenden Kosten durch ergriffene Maßnahmen und Alternativszenarien.

(vb)

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