Epidemiologe stellt klar: Ohne Impfung wären wir schon seit Wochen im Lockdown

Epidemiologe stellt klar: Ohne Impfung wären wir schon seit Wochen im Lockdown

Gerade rollt die heftigste Infektionswelle seit Pandemiebeginn über Deutschland. In vielen Hotspots sind die Krankenhäuser bereits ausgelastet. Für manche ein Grund, daran zu zweifeln, dass die Impfung uns überhaupt etwas gebracht hat. Ein Epidemiologe widerspricht dieser These bei FOCUS Online vehement.

Die Corona-Zahlen explodieren und das RKI vermeldet nun Rekord-Infektionszahlen von mehr als 50.000 Fällen pro Tag. Das Schlimme daran: Trotz einer Impfquote von mittlerweile etwas über 67 Prozent steigt auch wieder die Zahl der Menschen, die schwer erkranken und stationär behandelt werden müssen.

Mittlerweile liegen laut Divi-Intensivregister 3376 Menschen mit Covid-19 auf den Intensivstationen in Deutschland. In Bundesländern wie Bayern und Sachsen, die am schlimmsten betroffen sind, sprangen die Krankenhausampeln schon auf Rot. In über 30 Landkreisen in Deutschland sind bereits keine Intensivbetten mehr frei. Teilweise müssen Patienten schon in andere Kliniken außerhalb des Landkreises oder in andere Bundesländer verlegt werden. Die Lage ist also sehr ernst.

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Die Impfung schützt unser Gesundheitssystem

Wie kann uns dies trotz Impfung passieren, fragen sich viele Menschen. Manche zweifeln jetzt sogar daran, dass uns die Impfung im Kampf gegen die Pandemie etwas gebracht hat. Experten widersprechen dieser These allerdings heftig. "Ohne Impfung wären wir schon seit Wochen im Lockdown", sagt etwa der Infektionsepidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin im Gespräch mit FOCUS Online.

"Die Zahlen zeigen ganz deutlich, dass die Impfung unser Gesundheitssystem davor schützt, dass schwere Fälle die Intensivstationen belegen – die Personen, die jetzt dort landen, sind zum größten Teil Ungeimpfte", stellt der Epidemiologe klar. "Dass wir eine vierte Welle haben, liegt hauptsächlich an der hohen Zahl der Ungeimpften in Deutschland." Das beträfe immerhin noch circa 15 Millionen Menschen, unter denen allerdings auch Kinder unter zwölf Jahren sind, für die bisher noch gar keine Impfung zugelassen ist.

Impfdurchbrüche steigen, sind aber nicht unser Problem

Dennoch kommen zu den steigenden Infektionszahlen Impfdurchbrüche erschwerend hinzu. Das Robert-Koch-Institut zählt seit Februar über 175.000 solcher Fälle, bei denen vollständig Geimpfte an Corona erkrankt sind. "Diejenigen unter den Geimpften, die erkranken und auf der Intensivstation landen, sind größtenteils ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen und geschwächtem Immunsystem", erklärt Ulrichs. Da der Impfschutz nach sechs Monaten nachlasse, seien Boosterimpfungen gerade in dieser Gruppe dringend nötig. 

"Die Geimpften sind aber nicht die Pandemie-Treiber", betont Ulrichs. Länder mit hoher Impfquote hätten kein Problem mit den vergleichsweise weiterhin wenigen Impfdurchbrüchen und einer vierten Welle. "Wenn man dann noch wie Israel alle ein drittes Mal durchimpft, hat man die Virusverbreitung so stark unterbunden, dass es zu keiner neuen Welle kommt", erklärt der Epidemiologe.

Doch Boostern alleine helfe uns in Deutschland nicht mehr aus der Misere. "Wenn wir verhindern wollen, dass unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird, müssen wir die schnelle Virusausbreitung unter den Ungeimpften verhindern", führt Ulrichs aus. "Dazu brauchen wir dringend Kontaktbeschränkungen – das gilt vor allem für Ungeimpfte."

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Hospitalisierungsindzidenz bei den Ungeimpften bis zu elf Mal so hoch

Wie gut uns die Impfung schützt, zeigen auch die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI). So liegt die Hospitalisierungsinzidenz in der Gruppe der über 60-Jährigen, die nicht geimpft sind, derzeit circa sechs Mal höher als die der Geimpften. In der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen sogar elf Mal höher. 75 Prozent aller Corona-Fälle in den Krankenhäusern in der Altersgruppe von 18 bis 59 Jahren sind ungeimpft, in der Altersgruppe der Menschen über 60 sind es 45 Prozent.

"Hätten wir keine Impfung, wäre die Hospitalisierungsrate dreimal so hoch", rechnet Katharina Schüller, Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Statistik sowie Geschäftsführerin und Gründerin des Unternehmens "Stat-up" vor. Das heißt, wir hätten schon jetzt statt 4500 bis 5000 Krankenhauspatienten mit Covid rund 13.500 bis 15.000. Vermutlich wäre es aber gar nicht soweit gekommen, sagt Schüller. Denn ohne Impfung wären wir mindestens schon vor vier Wochen in einen harten Lockdown gegangen, schätzt sie. Behauptungen, dass uns die Impfung in dieser schweren vierten Welle wenig nütze, sind also Quatsch.

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