Diabetes-Forschung: Wie entsteht Typ-2-Diabetes? Studie liefert neue Einblicke – Heilpraxis

Diabetes-Forschung: Wie entsteht Typ-2-Diabetes? Studie liefert neue Einblicke – Heilpraxis

Huhn-oder-Ei-Frage bei Diabetes-Entstehung geklärt

Ein hoher Insulinspielgel und eine zunehmende Insulinresistenz spielen bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes eine wesentliche Rolle. Doch seit rund 50 Jahren rätseln Diabetes-Forschungsgruppen weltweit, ob die Insulinresistenz einen erhöhten Insulinspiegel hervorruft oder ob ein hoher Insulinspiegel zu einer zunehmenden Insulinresistenz führt. Eine Arbeitsgruppe aus Schweden hat diese Huhn-oder-Ei-Frage nun beantwortet.

Forschende der Universität Göteborg haben in Rahmen einer Studie belegt, dass zuerst der Insulinspiegel ansteigt, bevor Zellen eine Resistenz gegen Insulin entwickeln. Diese grundlegende Erkenntnis könnte die weltweite Sicht auf die Entstehung von Typ-2-Diabetes beeinflussen, da dieser Punkt seit rund 50 Jahren als umstritten galt. Die Ergebnisse wurden kürzlich im Fachjournal „EBioMedicine“ vorgestellt.

Insulinresistenz oder hoher Insulinspiegel – was kommt zuerst?

Die schwedischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeigten, dass freie Fettsäuren im Blut die Insulinausschüttung auch bei einem normalen Blutzuckerspiegel auslösen, ohne dass eine Insulinresistenz in den Fettzellen vorliegt. Gleichzeitig erlangten die Forschenden ein besseres Verständnis dafür, warum Übergewicht ein so starker Risikofaktor für die Entstehung von Typ-2-Diabetes ist.

Zusammenhang zwischen Übergewicht und Insulinresistenz

Wie die Arbeitsgruppe berichtet, hängt die Menge der freien Fettsäuren (FFAs), die im Blut zirkulieren, stark von dem Gewicht der jeweiligen Person ab. Jedes zusätzliche Kilo Fettgewebe führe zu mehr FFAs im Blut und treibe so die Insulinausschüttung voran, die letztendlich zu einer zunehmenden Insulinresistenz in den Zellen führe.

Bislang war die vorherrschende Hypothese über die Entstehung von Typ-2-Diabetes, dass die Bauchspeicheldrüse ihre Insulinproduktion hochfährt, weil die Zellen bereits insulinresistent geworden sind. Die aktuelle Studie stützt jedoch die gegenteilige These.

Rolle der freien Fettsäuren war bislang unklar

Bereits in früheren Studien wurden hohe FFA-Werte im Blut mit Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht. Unklar war jedoch die Rolle der freien Fettsäuren im Krankheitsprozess. Die schwedische Forschungsgruppe fand heraus, dass die FFAs eine tragende Rolle bei der Progression der Krankheit spielen.

Was wurde untersucht?

Die Forschenden untersuchten den Stoffwechsel von 27 sorgfältig ausgewählten Teilnehmenden: neun Personen mit normalem Gewicht, neun mit Adipositas und normalem Blutzucker und neun mit Adipositas und fortgeschrittenem Typ-2-Diabetes. Mehrere Tage lang führte das Team umfangreiche Untersuchungen an den Teilnehmenden durch, bei denen unter verschiedenen Bedingungen Proben entnommen und Messungen durchgeführt wurden. Neben dem Stoffwechsel wurde auch die Genexpression im Unterhautfettgewebe der Teilnehmenden untersucht. Zudem wurden Werte wie Blutzucker, Insulin und FFAs im Blut überwacht.

Dabei stellte sich heraus, dass die Teilnehmenden mit Übergewicht, die nicht unter Diabetes litten, die gleichen normalen Blutzuckerwerte aufwiesen wie die gesunden normalgewichtigen Teilnehmenden. „Interessanterweise hatten die adipösen Nicht-Diabetiker erhöhte Werte sowohl von freien Fettsäuren als auch von Insulin im Blut, und diese Werte waren ähnlich oder höher als die Werte, die wir im Blut der Teilnehmer mit Adipositas und Typ-2-Diabetes messen konnten“, erläutert Facharzt Emanuel Fryk, Erstautor der Studie.

Zusammenhang bestätigte sich in Bevölkerungsstudie

Um diese Erkenntnis zu bestätigen, überprüfte das Team gemeinsam mit Forschenden der Universität Uppsala dieses Muster in einer Bevölkerungsstudie, die Daten über morgendliche Nüchtern-Blutproben von 500 Personen enthielt.

Freie Fettsäuren und Insulin

„Die Tatsache, dass wir auch dort einen Zusammenhang zwischen freien Fettsäuren und Insulin gesehen haben, deutet darauf hin, dass die Fettsäuren mit der Insulinausschüttung zusammenhängen und zu einer erhöhten Insulinproduktion auf nüchternen Magen beitragen, wenn der Blutzucker noch nicht angestiegen ist“, fasst Fryk zusammen. Der Befund müsse jedoch noch durch weitere Forschung bestätigt werden.

Was sind freie Fettsäuren?

Freie Fettsäuren kommen natürlich im Blutkreislauf vor und sind wie Glycerin ein Produkt des Fettstoffwechsels. Wie die Forschenden zeigten, steigt die Menge der FFAs im Blut mit zunehmendem Fettgewebe an. „Unsere Hypothese ist, dass die freien Fettsäuren im Blut ansteigen, weil das Fettgewebe die überschüssige Energie nicht mehr speichern kann“, so Fryk. Die Menge der FFAs im Blut könne ein Frühwarnzeichen für die Entstehung von Typ-2-Diabetes sein, wenn sich dieser Zusammenhang in weiteren Studien bestätigt.

Gesundes Körpergewicht als Schutz vor Typ-2-Diabetes

„Es gibt viele Faktoren, die zum Fortschreiten von Typ-2-Diabetes beitragen, aber es ist unser Lebensstil, der in absoluten Zahlen für die meisten Menschen den größten Einfluss hat“, betont Fryk. Die aktuelle Studie liefere ein weiteres Argument dafür, dass das Wichtigste, was man tun kann, um sich vor Diabetes zu schützen oder das Fortschreiten zu verlangsamen, darin besteht, frühzeitig einen gesunden Lebensstil zu führen. (vb)

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