COVID-19: Welche neurologischen Folgen drohen am häufigsten? – Heilpraxis

COVID-19: Welche neurologischen Folgen drohen am häufigsten? – Heilpraxis

Was sind die häufigsten neurologischen Folgen von COVID-19?

Nach einer überstandenen Erkrankung an COVID-19 zeigen manche Betroffenen anhaltende neurologische Symptome, die zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag führen können. Am häufigsten sind dabei Beschwerden wie das chronische Erschöpfungssyndrom, Schmerzen, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme und Schlafstörungen, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) in einer aktuellen Pressemitteilung.

Manche COVID-19-Patientinnen und -Patienten leiden noch Wochen oder gar Monate nach ihrer Erkrankung an neurologischen Langzeitfolgen. Die Arbeitsgruppe Neurologie im Nationalen Pandemie Kohorten Netz (NAPKON) widmet sich daher unter anderem der Erforschung dieser Langzeitfolgen von COVID-19. „Besonders wichtig ist dabei die Frage, ob die Viruserkrankung womöglich auch langfristig die Kognition beeinträchtigen kann oder sogar die Entstehung neurodegenerative Folgeerkrankungen (wie z.B. Alzheimer) im Alter begünstigt“, so die Mitteilung der DGN.

Auffällige neurologische Beschwerden

Oftmals zeigen sich bei COVID-19 schon während der Akutphase neurologische Symptomen wie beispielsweise Geruchs- und Geschmacksstörungen oder auch Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und das sogenannte Fatigue-Syndrom (dauerhafte Erschöpfung und Abgeschlagenheit), berichtet die DGN. Zudem seien „sogenannte Enzephalopathien (Bewusstseinsstörungen und Störungen der Hirnfunktionen) bei COVID-19, gerade bei schweren Verläufen, recht häufig.“

„Auch lebensbedrohliche neurologische Komplikationen können während oder direkt nach einer COVID-19-Erkrankung auftreten, wie z.B. Schlaganfälle oder das Guillain-Barré-Syndrom“, berichtet die DGN weiter (siehe auch: COVID-19-Forschung: Guillain-Barré-Syndrom nach SARS-CoV-2-Infektion). Zudem haben sich laut Angaben der Fachgesellschaft bereits in einer Studie aus dem vergangenen Sommer die Hinweise darauf verdichtet, dass neurologische Symptome noch länger nach einer Erkrankung an COVID-19 auftreten können.

Monatelange chronische Erschöpfung

So habe eine niederländisch-belgische Studie drei Monate nach Krankheitsbeginn die anhaltenden Symptome von 2.113 COVID-19-Patientinnen und -Patienten ausgewertet (112 stationär behandelte Teilnehmende) und festgestellt, dass nach drei Monaten immer noch 87 Prozent der Erkrankten an Fatigue (chronischer Erschöpfung) litten. Während der akuten Krankheitsphase waren es 95 Prozent.

Weitere Langzeitfolgen von COVID-19

Die chronische Erschöpfung bildet die häufigste Komplikation und Langzeitfolge bei COVID-19, ist jedoch bei weitem nicht die einzige. So nennt eine in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlichte Studie mit rund 2.500 Teilnehmenden neben Fatigue Schmerzen, Kurzatmigkeit und Schnupfen/laufende Nase als die häufigste Langzeitsymptome. Und in einer britischen prospektiven Kohortenstudie mit 163 COVID-19-Patientinnen und -Patienten wurden darüber hinaus Schlafstörungen als oft auftretendes Langzeitsymptom genannt.

Einschränkungen der Lebensqualität

Erstaunlich ist laut Angaben der DGN, dass die Symptompersistenz auch Patientinnen und Patienten mit milden COVID-19-Verläufen betraf, wobei nach einem schweren Verlauf die neurologischen Symptome jedoch besonders hartnäckig und langanhaltend scheinen. So werden in einer französischen Studie auch deutliche Einbußen der Lebensqualität nach schweren Krankheitsverläufen beschrieben. Nach drei Monaten hatten 89 Prozent weiterhin Schmerzen, 47 Prozent zeigten eine eingeschränkte Mobilität durch Muskelschwäche und 42 Prozent Angstzustände und Depression.

„Zusammenfassend betreffen neurologische Langzeitfolgen einen hohen Anteil der COVID-19-Patientinnen und -Patienten und wir müssen diese Menschen neurologisch nachbetreuen“, betont der DGN-Generalsekretär Professor Peter Berlit. Zwar verbessern sich bei vielen Betroffenen die neurologischen Symptome im Laufe der Zeit, aber es gebe auch Patientinnen und Patienten, die bereits in der ersten Welle der Pandemie im Frühjahr 2020 erkrankten und bis heute nicht beschwerdefrei sind.

Weitere Forschung zu den Spätfolgen nötig

„Da es sich bei COVID-19 um eine neuartige Krankheit handelt, müssen wir die Ursachen der Symptome und Spätfolgen klären, um gezielt etwas gegen die neurologischen Beschwerden unternehmen zu können“, so Professor Berlit weiter. Das NAPKON-Projekt, soll hier einen wesentlichen Beitrag leisten. „Darüber hinaus beschäftigen uns auch offene Forschungsfragen, gerade was mögliche Spätfolgen angeht“, erläutert Dr. Samuel Knauss, Sprecher der Jungen Neurologen und stellvertretender Sprecher der fachorganspezifischen Arbeitsgruppe Neurologie im NAPKON-Projekt.

Beispielsweise gehe es dabei um die Frage, ob bei Patientinnen und Patienten mit neurologischen Symptomen dauerhafte Auswirkungen auf die Kognition zu befürchten sind oder ob Neuro-COVID die Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson begünstigen kann. Gesicherte Antworten auf diese Fragen werden wir jedoch erst nach Jahren oder sogar Jahrzehnten haben, erläutert der Experte. (fp)

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