Biontech will Malaria-Impfstoff auf mRNA-Basis entwickeln

Biontech will Malaria-Impfstoff auf mRNA-Basis entwickeln

Das Mainzer Biotech-Unternehmen Biontech wird nach eigenen Angaben einen Impfstoff gegen die gefährliche Tropenkrankheit Malaria entwickeln. Der potenzielle Impfstoffkandidat soll – wie der bekannte Corona-Impfstoff Comirnaty – auf der sogenannten mRNA-Technologie basieren, teilte das Unternehmen am Montag mit. Impfstoffe dieser Art enthalten den Bauplan für ein Protein, gegen das der Körper Antikörper bildet. Im Falle des Corona-Impfstoffs von Biontech/Pfizer handelt es sich bei dem Protein um das Spike-Protein des Virus, das der Erreger nutzt, um an menschliche Zellen anzudocken.

Zulassung des Impfstoffs


Die Köpfe hinter Biontech: Das treibt Uğur Şahin und Özlem Türeci an

Die Entwicklung des Impfstoffs ist Teil eines Malaria-Projekts, mit dem sich Biontech unter anderem zum Ziel gesetzt hat, nachhaltige Impfstoff-Produktionskapazitäten auf dem afrikanischen Kontinent aufzubauen. Der Kontinent gilt als am stärksten von der Infektionskrankheit betroffen. Rund 90 Prozent aller weltweiten Malaria-Fälle treten dort auf. Die geschaffenen Produktionskapazitäten könnten auf lange Sicht dafür genutzt werden, verschiedenste mRNA-Impfstoffe zu produzieren, darunter auch solche gegen das Coronavirus, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Das Malaria-Projekt ist Teil der "eradicateMalaria"-Initiative, die von der "kENUP-Stiftung" ins Leben gerufen wurde. Einzelheiten zu dem Projekt werden am Montag auf einer Pressekonferenz vorgestellt, an der unter anderem Tedros Adhanom Ghebreyesus, Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO, und Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, teilnehmen. Unterstützt wird das Projekt von der WHO und "Africa CDC – Centres for Disease Control and Prevention".

"Gemeinsam setzen wir alles daran, einen sicheren und wirksamen Malaria-Impfstoff auf mRNA-Basis zu entwickeln", wird Biontech-Mitbegründer Uğur Şahin in einer Pressemitteilung zitiert. "Er soll die Krankheit verhindern, die Sterblichkeit reduzieren und eine nachhaltige Lösung für den afrikanischen Kontinent und andere von Malaria betroffene Regionen bieten."

Erreger der Malaria

Malaria gilt als eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Rund 40 Prozent der Weltbevölkerung leben in Gebieten, in denen die Krankheit endemisch ist – also dauerhaft und gehäuft auftritt. Etwa 200 Millionen Menschen erkranken jährlich neu an Malaria, überwiegend in Afrika. Die Erreger der Krankheit sind einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium. Sie werden durch Mückenstiche übertragen.

Tropenkrankheit


Afrika bleibt der Kontinent mit den meisten Malaria-Fällen

Erkrankte entwickeln hohes Fieber, das sich mit fieberfreien Phasen abwechselt. Auch Kopf- und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Magen-Darm-Beschwerden sind typisch für Malaria. Die Prognose ist vor allem für Kinder unter fünf Jahren oft schlecht. Etwa drei Viertel der jährlich geschätzten 600.000 Malaria-Todesfälle betrifft Kinder in diesem Alter.

Trotz umfangreicher Forschungsbemühungen bereitet der Kampf gegen Malaria Wissenschaftlern in aller Welt Schwierigkeiten. Regional unterschiedliche Erreger, Ko-Infektionen mit anderen Keimen sowie zunehmende Resistenzen gegenüber vorhandenen Medikamenten erschwerten die Arbeit der Forschenden, heißt es auf der Seite des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF).

Eine hochwirksame Schutzimpfung gegen Malaria gibt es trotz jahrzehntelanger Forschung bislang nicht. Forschende der Universität Oxford meldeten kürzlich einen Erfolg in einer klinischen Studie der Phase II: Demnach zeigte der Impfstoffkandidat R21/Matrix-M bei Kleinkindern eine Wirksamkeit von 77 Prozent. Ernsthafte Nebenwirkungen seien nicht beobachtet worden. Das Ergebnis muss sich allerdings erst noch in einer größer angelegten Studie der Phase III bestätigen.

Rätselhafter Todesfall


Mädchen in Italien stirbt an einer Krankheit, die es dort nicht gibt

Dutzende Impfstoffkandidaten befinden sich zudem in der Entwicklung beziehungsweise klinischen Prüfung. Bislang scheitern viele von ihnen aber an der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) angestrebten Wirksamkeit von mindestens 75 Prozent.

Die sogenannte Expositionsprophylaxe bleibt im Kampf gegen Malaria besonders wichtig: Imprägnierte Moskitonetze sowie der Einsatz von Insektiziden sollen verhindern, dass sich Menschen mit dem Erreger infizieren. Es gibt zudem die Möglichkeit, vorbeugend Medikamente gegen die Erkrankung zu nehmen, zum Beispiel bei Reisen in stark betroffene Regionen. Allerdings können die Medikamente Nebenwirkungen verursachen und bieten keinen hundertprozentigen Schutz.

Klinische Studie könnte 2022 starten

Bei dem zu entwickelnden Impfstoffkandidaten von Biontech soll es sich um den ersten mRNA-Impfstoff zur Malaria-Prävention handeln. Bevor es zu einer möglichen Zulassung kommt, muss sich der Impfstoffkandidat allerdings erst noch in größeren klinischen Studien behaupten und dort eine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit unter Beweis stellen.

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Wie das Unternehmen mitteilte, würden spezialisierte Teams am Hauptsitz in Mainz derzeit daran arbeiten, geeignete Antigene für den Impfstoff zu identifizieren. Mit dem Start einer klinischen Studie rechnet Biontech bis Ende 2022.

Biontech entwickelt zusammen mit seinen Partnern derzeit Impfstoffe gegen neun verschiedene Infektionskrankheiten, darunter Tuberkulose. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt zudem im Bereich der individualisierten Krebsmedizin. 15 Onkologie-Programme befinden sich im klinischen Stadium. Sie beruhen auf vier verschiedenen Wirkstoffklassen, darunter auch mRNA.

Quellen: Robert Koch-Institut (RKI) / Deutsches Zentrum für Infektionsforschung (DZIF)

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