Betroffener über Affenpocken-Infektion: „War sicher, ich hatte mir die Syphilis eingefangen“

Betroffener über Affenpocken-Infektion: „War sicher, ich hatte mir die Syphilis eingefangen“

Die Zahl der Affenpocken-Infektionen steigen weltweit. Die Weltgesundheitsorganisation will deshalb einen Notfallausschuss einberufen. Wie schwierig die Diagnose ist und welche atypischen Symptome dabei auftreten könne, beschreibt ein Betroffener aus Berlin.

Aufgrund der weltweit steigenden Affenpocken-Fälle soll der WHO-Ausschuss entscheiden, ob es sich um eine Notlage handelt, wie sie beispielsweise beim Coronavirus festgestellt wurde. Denn die Fallzahlen steigen an: Allein in Deutschland gibt es mittlerweile 263 Fälle (Stand: 15. Juni).

Doch die Diagnose scheint nicht einfach zu sein, da unterschiedliche und atypische Symptome auftreten können. Auf Twitter schildert der Betroffene Alexander Winter aus Berlin seine Krankheitsgeschichte. Er berichtet von seiner Infektion mit den Affenpocken, dem Krankheitsverlauf und der Problematik bei der Diagnose.

 

Atypische Symptome wie Husten und Schüttelfrost

Winter erzählt, seine Infektion hätte mit einem „eher ‚atypischen Husten‘“ begonnen, der sich schnell verschlimmerte. Nach kurzer Zeit kamen heftige Kopf- und Gliederschmerzen dazu. Winter schreibt, das Ganze habe sich zunächst mehr wie eine Grippe angefühlt.

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Nach zwei Tagen fand der Berliner die erste Pocke an seinem Penis – diese hielt er aufgrund ihres Aussehens jedoch für einen Pickel. Außerdem seien zu den Symptomen noch Schüttelfrost und Fieber hinzugekommen. Winter beschreibt dies so: „eine unerbittliche, den ganzen Körper erfassende Kälte, die mich – wortwörtlich – geschüttelt hat. Das Fieber kam abrupt & wie aus dem Nichts & stieg schnell auf +39,5° C.“

Affenpocken: Bläschen sehen ganz anders aus als die Bilder im Internet

Insgesamt ähnelten die Symptome eher der Syphilis, schreibt Winter dazu in einem viel beachteten Thread auf Twitter. Er betont, dass bis dahin keines seiner Symptome auf die Affenpocken hingedeutet habe. Optisch hätten sich die Pocken deutlich von den im Internet kursierenden Bildern unterschieden. Ohne ärztliche Expertise sei es daher „unmöglich“ gewesen, eine entsprechende Diagnose zu stellen. Lediglich aufgrund eines anderen Patienten mit ähnlichen Symptomen gelang es Winters Hausarzt, schlussendlich die Affenpocken festzustellen.

Jeder Körperkontakt ist ansteckend, jeder kann sich anstecken

Winter betont zudem, dass das Virus keineswegs vor sexuellen Präferenzen halt mache. Entgegen zahlreicher Annahmen, nur homosexuelle Männer könnten sich mit dem Virus anstecken, ist klar: Direkter Körperkontakt, egal welchen Geschlechts, kann zu einer Infektion führen.

 

Alexander Winter ist kein Einzelfall: Nachdem der erste dokumentierte Fall Anfang Mai in England nachgewiesen wurde und kurz darauf der erste deutsche Fall in München, steigen die Fallzahlen weltweit.

 

Was sind Affenpocken?

Es handelt sich um eine eher seltene, vermutlich von Nagetieren übertragene Viruserkrankung, die durch das Affenpockenvirus „Orthopoxvirus simiae“ ausgelöst wird. Sie tritt hauptsächlich in West- und Zentralafrika auf, seit Anfang Mai jedoch mehren sich die weltweiten Fälle.

Wie kann man sich mit Affenpocken anstecken?

Laut RKI erfolgt eine Ansteckung primär über direkten Körperkontakt. Das bedeutet:

Wie sehen die typischen Symptome aus?

Laut Informationen des RKI treten als erstes Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen auf. Anschließend folgen ein Hautausschlag, beispielsweise Flecken oder Pusteln im Gesicht oder an den Handflächen sowie Fußsohlen. Anschließend folgen oft geschwollene Lymphknoten.

Nach etwa zwei bis vier Wochen fallen die Krusten der Hautausschläge ab. Ungefähr in diesem Zeitraum bewegt sich auch die Inkubationszeit: Aktuell geht man von circa drei Wochen aus. Der Ausschlag tritt im Mund- und Rachenbereich, aber auch im Genital- und Analbereich auf. Die Symptome können jedoch auch stark variieren und überschneiden sich teilweise mit anderen Krankheiten.

Ist das Affenpockenvirus gefährlich?

Nach aktuellen Kenntnissen ist der Verlauf meist mild, eine Behandlung ist daher eher nicht notwendig. Vereinzelt gibt es jedoch schwere Verläufe mit Komplikationen. In solchen Fällen kann es zu Hirnentzündungen, bakteriellen Hautinfektionen, Flüssigkeitsverlust, sowie Bindehaut-, Hornhaut- und Lungenentzündungen kommen. Das kommt relativ selten vor: Die meisten Menschen erholen sich innerhalb weniger Wochen.

Was müssen Infizierte und Kontaktpersonen beachten?

Zunächst müssen Infizierte und deren Kontaktpersonen sofort das zuständige Gesundheitsamt kontaktieren. Aktuell beträgt die Isolationszeit circa 21 Tage. Wer sich in dieser Zeit die Wohnräume mit anderen Menschen teilt, sollte darauf achten, Haushaltsgegenstände nicht gemeinsam zu benutzen, da das Virus auf Oberflächen sehr lange überleben kann.

Ein Nachweis über die Affenpocken erfolgt durch einen PCR-Test im Labor. Die Labordiagnose mit Proben von Krusten oder Pusteln wird nur in bestimmten Fällen durchgeführt, beispielsweise wenn man Kontakt mit Tieren beziehungsweise einer infizierten Person hatte oder in einem Endemiegebiet wie West- und Zentralafrika war.

Wie Winters Fall zeigt, müssen diese Kriterien gegebenenfalls überarbeitet werden, da sich auch Menschen anstecken, die diese nicht erfüllen. Auch die Liste der Symptome müsste dementsprechend angepasst werden, damit auch mehr atypische Fälle erfasst werden können.

Kann ich mich impfen lassen?

Für diesen speziellen Pockenvirus gibt es keine Impfung. Jedoch ist bereits bekannt, dass die allgemeine Pockenimpfung wirksam ist. Derzeit gibt es für Kontaktpersonen die Möglichkeit, sich mit dem Pockenimpfstoff „Imvanex“ zu immunisieren. Die Bundesregierung hat dafür bereits 40.000 Impfdosen bestellt .

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