Abnehmen durch mehr Sport? Das Volk der Hadza in Tansania zeigt, dass das nicht so einfach ist

Abnehmen durch mehr Sport? Das Volk der Hadza in Tansania zeigt, dass das nicht so einfach ist

Es gibt viele Gründe, mehr Sport zu treiben. Regelmäßige Bewegung stärkt das Herz-Kreislauf-System und hält das Immunsystem fit. Muskeln und Gelenke werden gestärkt, wodurch das Verletzungsrisiko sinkt. Nach einem anstrengenden Workout fühlt man sich besser, Stress wird abgebaut und die Durchblutung angeregt. Abnehmen ist jedoch keiner der Gründe für mehr Bewegung, meint jedenfalls der Evolutionsbiologe Herman Pontzer.

Pontzer gilt als ausgewiesener Experte des menschlichen Stoffwechsels (Metabolismus) und hat mit "Burn: New Research Blows the Lid Off – How We Really Burn Calories, Lose Weight, and Stay Healthy" ein englischsprachiges Fachbuch zu diesem Thema veröffentlicht. Darin bestreitet er die weitverbreitete These, mehr Bewegung führe zu einem höheren Kalorienverbrauch und damit größerem Gewichtsverlust.

"Ihr Gehirn ist sehr, sehr, sehr gut darin, abzugleichen, wie viele Kalorien Sie essen und wie viele Kalorien Sie verbrennen", sagte Pontzer, gegenüber dem US-Portal "Today". "Die Person, die einen bewegungsarmen Lebensstil hat, wird die gleiche Anzahl von Kalorien verbrennen wie eine Person, die einen aktiven Lebensstil führt."

Essen und Bewegung


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Das Volk der Gadza zeigt einen Kalorien-Irrglaube

Diese Aussage mag wie ein Paradigmenwechsel wechseln. Doch der menschliche Stoffwechsel funktioniere anders, als die meisten Menschen annehmen. Wer sein Aktivitätsniveau signifikant steigert – sei es durch Rudern, Joggen oder exzessives Krafttraining -, wird in den ersten Monaten auch mehr Kalorien verbrennen. Doch dieser Effekt wird mit fortschreitender Dauer kleiner. Der Körper beginnt, so Pontzer, weniger Energie für seine anderen Aufgaben aufzuwenden. Nach einigen Monaten sei im Grunde wieder das Vor-Trainings-Niveau erreicht.

Seine These begründet Pontzer mit den Erkenntnissen, die er beim Studium des Hadza-Volkes in Tansania gewonnen hat. Dabei handelt es sich um eine Volksgruppe von ungefähr tausend Menschen, die verstreut an den Ufern des Eyasi-Sees in Ostafrika leben. Sie gelten als Jäger und Sammler und damit als eine der letzten naturnah lebenden Gemeinschaften, welche noch teilweise Steinwerkzeuge nutzt.

Um Nahrung zu bekommen, müssen die Hadza jeden Tag kilometerweit laufen. Sie führen einen deutlich aktiveren Lebensstil als die meisten Menschen in westlichen Kulturen. Umso überraschter war Pontzer gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen, als sie mit wissenschaftlichen Methoden den Kalorienverbrauch der Hadza ermittelten: Die Menge war nahezu identisch mit dem Verbrauch von westlichen Stadtbewohnern, die einen vergleichsweise bewegungsarmen Alltag führen.

Für Pontzer war damit klar: Der menschliche Stoffwechsel passt sich permanent an und schafft Platz für erhöhte Aktivität, sodass der tägliche Energieverbrauch am Ende in einem engen Korridor bleibt – völlig unabhängig vom eigentlichen Lebensstil.

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Um überschüssige Kilos purzeln zu lassen, sollte man sich deshalb nicht zu einer zusätzlichen Joggingrunde zwingen, so Pontzer, sondern einfach weniger essen. "Wir wissen seit Jahrzehnten, dass Bewegung ein wirklich schlechtes Mittel zur Gewichtsabnahme ist", sagt er. "Die einzige Strategie, die wirklich gut zu funktionieren scheint, ist, sich auf die Ernährung zu konzentrieren."

In der Fachwelt stimmen jedoch nicht alle dieser These uneingeschränkt zu. Deborah Riebe, Professorin für Sportwissenschaft, erklärt gegenüber "Today" etwa, dass eine Kombination aus Sport und einer Diät zu einem 20 Prozent größeren Gewichtsverlust führe als eine Diät allein. Sport als Ergänzung zu einer bewussteren Ernährung ist somit förderlich und verhindert vor allem eine erneute Gewichtszunahme.

In seinem Buch geht Pontzer allerdings auch umfangreich auf das Thema Ernährung und deren Einfluss auf den menschlichen Stoffwechsel ein. So räumt er noch mit einem weiteren Mythos ein: Lebensmittel wie Cayennepfeffer, Chilipulver und grünem Tee wird etwa nachgesagt, den Metabolismus anzukurbeln. Dieser Effekt sei jedoch so verschwindend gering, dass er mit einem einzigen zusätzlichen Bissen Nahrung im Grunde negiert wird. "Wenn Sie Ihren Stoffwechsel ein wenig ankurbeln, wird Ihr Gehirn sagen: 'Oh OK, wir essen besser ein bisschen mehr' und Sie würden überhaupt nichts verlieren."

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