Schlechte Zähne schädigen Organe! Arzt erklärt, warum jeder eine „Zahn-Diät“ machen sollte

Schlechte Zähne schädigen Organe! Arzt erklärt, warum jeder eine „Zahn-Diät“ machen sollte

Titan und Gold eignen sich am besten für Implantate, Inlyas, Kronen? Das stimmt nicht, erklärt Dominik Nischwitz, Spezialist für biologische Zahnmedizin. Er erklärt, welche Folgen Metall im Mund für die Gesundheit haben kann, warum Keramik auch ästhetisch besser ist und wie zahngesunde Ernährung aussieht.

Moderne Zahnmedizin ist mehr als nur Karies bekämpfen und Zahnschäden flicken. Dominik Nischwitz ist Spezialist für biologische Zahnmedizin. Auf den „Bunte Beauty Days“, der Trend-Konferenz zum Thema Schönheit, wird der Experte über neue Entwicklungen und Therapien in der Zahnmedizin sprechen. FOCUS Online verriet er schon vorab interessante Details aus seinem Vortrag.

FOCUS Online: Sie bieten biologische Zahnmedizin. Was bedeutet das für den Patienten?

Dominik Nischwitz: Biologische Zahnmedizin ist aus meiner Sicht die logische Fortführung der klassisch geprägten handwerklichen Zahnmedizin. Wir suchen differenziert, ob Unverträglichkeiten gegen bestimmte Materialien vorliegen, ob chronische Entzündungen vorhanden sind, die etwa durch eine schlecht ausgeführte Wurzelbehandlung ausgelöst wurden. Wir sehen „mit der medizinischen Lupe“ hin.

FOCUS Online: Denn Zahn- und Mundprobleme können andere Organe krank machen, bekannt ist das etwa mit Kariesbakterien und Herzklappenproblemen.

Dominik Nischwitz: Ja, aufgrund unserer Spezialisierung sind unter unseren Patienten häufig Leistungssportler, deren Ziel es ist, maximale Leistungsfähigkeit und Verletzungsprävention zu erreichen – das geht nur mit einer gesunden Mundhöhle. Aber wir sehen auch viele Patienten mit chronischen Krankheiten, die explizit nach der Ursache ihrer Probleme suchen – und die liegt tatsächlich häufig im Mund.

Umweltmediziner sind davon überzeugt, dass 70 Prozent der Stressoren, die zu chronischen Problemen führen können, im Mund ihren Ursprung haben. Die Symptome reichen von chronische Gelenkschmerzen über Magen- und Darmprobleme bis hin zu Konzentrationsstörungen und depressiven Verstimmungen. Immer, wenn sich ein Gesundheitsproblem nicht einfach behandeln lässt, Therapien nicht anschlagen, wenn multifaktorell nachgesehen werden muss, spielt der Mund eine wichtige Rolle und die biologische Zahnmedizin ist eine Option.

FOCUS Online: Was hat biologische Zahnmedizin mit Zahnästhetik zu tun?

Dominik Nischwitz: Unsere Priorität Nummer eins ist die Gesundheit, Priorität Nummer zwei ist Ästhetik. Beides hängt eng zusammen und ist im Grunde einfach zu erreichen: Wir setzen auf Materialien, die der Körper verträgt, die neutral sind und die das Immunsystem nicht stressen. Wir verwenden also keine Metalle als Zahnersatz und auch für Implantate verwenden wir Keramik.

FOCUS Online: Welche Vorteile hat Zahnersatz aus Keramik?

Dominik Nischwitz: Keramik funktioniert mechanisch genauso gut wie Metall, es ist also gut belastbar und langlebig. Metallfreier Zahnersatz überzeugt zusätzlich durch Biokompatibilität und Ästhetik. Metallstifte unter Kronen oder Metallimplantate, etwa im Frontbereich, können durch das Zahnfleisch grau hindurchschimmern. Sinkt mit den Jahren der Zahnfleischrand ein bisschen ab, wird das Metall sichtbar. Viel schöner ist hier Keramik, weil es durchgängig zahnweiß ist und deswegen natürlich aussieht. Wir verwenden Zirkondioxid, klassische Feldspatkeramik und auch Lithiumdisilikatkeramiken.

FOCUS Online: Bei Ästhetik schneidet Keramikersatz besser ab als Metalle, das ist leicht nachvollziehbar. Doch bei der Biokompatibilität soll das doch anders sein – nicht alle Metalle sind so giftig wie etwa Amalgam. Titan und Gold sollen doch ebenfalls gut verträglich sein, oder wie häufig kommt es dabei zu Problemen?

Dominik Nischwitz: Pauschale Zahlen dazu gibt es nicht. Für Titan gilt jedoch, dass heute bereits 20 Prozent der Bevölkerung eine Unverträglichkeit auf dieses Metall aufweisen. Das ist mit Entzündungen, einer sogenannten Periimplantitis, und Implantatverlust verbunden. Blutuntersuchungen zeigen, dass bei den Unverträglichkeiten Nickel auf Platz eins steht, das ist jedoch inzwischen verboten.

Auf Platz vier befindet sich bereits Gold. Viele Patienten glauben immer noch, dass Gold im Mund keine Probleme bereiten kann, weil es ein Edelmetall ist – doch im Körper hat es nichts zu suchen. Das Immunsystem scheint darauf zu reagieren. Und auf Platz fünf rangiert Aluminium, das vielen Zahnersatzwerkstoffen beigefügt ist.

FOCUS Online: Beispiel Aluminium: Wie kann der Patient erfahren, ob sein Zahnersatz einen Aluminiumanteil hat oder frei davon ist?

Dominik Nischwitz: Das ist ein Problem. Im Medizinproduktegesetz, das auch Zahnersatz betrifft, ist geregelt, dass Bestandteile, die unter einem Prozent des gesamten Stoffes ausmachen, gar nicht angegeben werden müssen. Deshalb weiß man gar nicht, woraus Metallersatz im Detail besteht. Das ist für Menschen, die auf Aluminium überreagieren, ungünstig. Gerade bei Allergien weiß man, dass bereits eine winzige Menge des Allergens ausreicht, um krank zu machen.

FOCUS Online: Keramik hat gegenüber Metall also nur Vorteile – allerdings ist es für den Patienten doch auch teurer.

Dominik Nischwitz: Nicht unbedingt. Metallpreise sind in den letzten Jahren extrem gestiegen, vor allem für Gold. Vergleicht man ein Premium-Keramik-Implantat mit einem Premium-Titan-Implantat, dürften beide mit späterer Kronenversorgung etwa gleich viel kosten, rund 3000 Euro.

Keramik-Implantate haben den Vorteil, dass sie vollkommen neutral, also ohne Entzündung einheilen und das Zahnfleisch Keramik liebt. Auf der glatten Oberfläche lagern sich viel weniger Beläge an als auf Metall. Wir leben im Jahr 2019 und keiner sollte beim Zahnersatz auf Metalle angewiesen sein.

Mein Ziel ist es immer, in jedem Bereich die Gesundheit des Menschen zu verbessern, ihn in seiner Ganzheit zu sehen. Dazu gehören nicht nur die passende Zahnbehandlung und Zahnersatz, sondern auch die richtige Vorbereitung.

FOCUS Online: Vorbereitung bedeutet mehr als mit dem Patienten zu sprechen und gezielt das für ihn passende Material auszuwählen?

Dominik Nischwitz: Das Stichwort heißt funktionelle Medizin, dabei geht es auch um die Selbstheilungskraft des Körpers. Dafür ist es wichtig, sich mit einer Ernährungsumstellung auf die Behandlung vorzubereiten. Dafür habe ich ein Ernährungsdesign-Konzept entwickelt.

FOCUS Online: Wie sieht diese „Zahn-Diät“ aus? Das bedeutet sicher mehr als nur auf Zucker zu verzichten, was ja sonst landläufig als zahngesunde Ernährung gilt?

Dominik Nischwitz: Stimmt, sie bezieht Mikro- und Makronährstoffe mit ein. Vermeiden sollte man alles, was Entzündungen im Körper auslösen kann, wie beispielsweise Zucker, Weißmehl, Kuhmilchprodukte, Fertiggerichte und Süßstoffe. Unbedenklich bei Süßstoffen ist nur der Birkenzucker, also Xylitol sowie Stevia. Zugreifen dürfen Sie jedoch bei allem, was die Regenerationsfähigkeit des Körpers unterstützt, also frisches Gemüse oder Obst und Lebensmittel, die man jagen, fischen oder sammeln könnte. Die Qualität der Lebensmittel ist entscheidend. Unter den Mikronährstoffen spielen Vitamine eine große Rolle, besonders spannend ist in diesem Zusammenhang etwa das Sonnenvitamin D3.

FOCUS Online: Was hat Vitamin D mit gesunden, schönen Zähnen zu tun?

Dominik Nischwitz: Vitamin D ist eines der wichtigsten Hormone im Körper. Es sorgt dafür, dass Kalzium in Knochen und Zähne eingebaut wird. Allgemein unterstützt Vitamin D die Regeneration von Knochen und Gewebe, Haut, Haaren, Nägel und Zähnen, es macht sozusagen von innen heraus schön.

Sie wollen mehr über das Thema schöne Zähne, ganzheitliche Zahnbehandlung sowie die richtige Ernährungstherapie für gesunde Zähne erfahren? Erleben Sie Dominik Nischwitz live, er spricht am Samstag, den 15.6.2019 in Düsseldorf auf den „Bunte Beauty Days“. Neben „Trends und Treatments für schöne und gesunde Zähne“ gibt es noch jede Menge Informationen und interessante Talks zu Schönheit und Gesundheit, von aktuellen Make-up-Trends bis zu neuen Fastenmethoden. Hier geht es zu den Tickets.

 

Anmerkung: „Bunte“ gehört wie FOCUS Online zu Hubert Burda Media.

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