Krebs steigert das Risiko für Armut

Krebs steigert das Risiko für Armut

Dass ein geringes Einkommen das Krebsrisiko erhöht, ist schon länger bekannt. Das Deutsche Krebsforschungszentrum weist auf einen weiteren Zusammenhang zwischen Krebs und Armut hin: Nach einer Krebserkrankung verschlechtert sich die finanzielle Situation der Patienten oft deutlich.

Für viele Krebspatienten ist es oft nicht möglich, nach der Erkrankung wieder in den Berufsalltag zurückzukehren. Hauptgrund ist, dass die Betroffenen nicht mehr so leistungsfähig sind wie früher. Das geht aus einer Studie zum Projekt "Krebs und Armut – zu den sozioökonomischen Folgen einer Krebserkrankung" der Hamburger Fern-Hochschulen hervor. Drei Jahre nach der Erstdiagnose waren von den Studienteilnehmern nur 67 Prozent wieder berufstätig, 15 Prozent bezogen Rente und etwa 18 Prozent lebten von Arbeitslosengeld. Von der letzten Gruppe erhielten etwa 62 Prozent sogar nur Arbeitslosengeld II und führten damit ein Leben am Existenzminimum.

Laut der Studie verfügten vor der Krebsdiagnose 57 Prozent über ein Familiennettoeinkommen von über 2.000 Euro, nach der Erkrankung schrumpfte die Zahl auf 35 Prozent. Die Ursache für den finanziellen Absturz war für fast alle Befragten klar: der Krebs. Die Erkrankung erfordert viele Mehrausgaben, wie zum Beispiel Zuzahlungen für Medikamente oder Krankenhausaufenthalte. Damit werden die Patienten neben der eingeschränkten Berufstätigkeit zusätzlich finanziell belastet.

Die Studie ergab außerdem, dass die Hälfte der Befragten sich nicht gut informiert fühlte. "Dies ist ein Problem, dass uns alle betrifft. Denn die Wenigsten durchschauen die Komplexität des deutschen Sozialsystems mit seinen verschiedenen Akteuren, Zuständigkeiten und Bestimmungen“, sagt Carmen Flecks, Juristin beim Krebsinformationsdienst und Fachanwältin für Sozialrecht. Es fehle an Aufklärungsarbeiten und konkreten Hilfestellungen für die Betroffenen. Aber genau das wäre hilfreich, denn die Studie zeigt auch, dass eine gute Beratung vor Armut schützen kann.

Um sich umfassend zum Thema Sozialleistungen zu informieren, wenden sich Betroffenen am besten an Kliniksozialdienste, Krebsberatungsstellen, Wohlfahrtsverbände, Bürgertelefone oder Bundesministerien. Ebenso sind alle Sozialversicherungsträger wie Krankenkassen, Arbeitsagenturen, Sozialämter oder Rentenversicherung zur Beratung verpflichtet.

Betroffene können sich auch an den Krebsinformationsdienst wenden, der die Patienten dann an die richtigen Stellen weiterleitet: kostenlos telefonisch unter 0800-420 30 40 täglich von 8 bis 20 Uhr und per E-Mail [email protected]

DKFZ/CK

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