1000-mal wirksamer als Morphium: Gift der Kegelschnecke revolutioniert Schmerztherapie

1000-mal wirksamer als Morphium: Gift der Kegelschnecke revolutioniert Schmerztherapie

Conotoxine werden aus dem Nervengift gewonnen, mit dem Kegelschnecken ihre Beute oder auch Angreifer lähmen und töten. Ein österreichisch-australisches Forscherteam hat nun untersucht, welche neuen Ansätze der Wirkstoff speziell für die chronische Schmerztherapie eröffnet. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachblatt „Chemical Reviews“.

Mit einer Harpune wird das Gift ins Opfer geschossen

Die fleischfressenden Meeresschnecken der Gattung Conus sind demnach bekannt für ihren sehr wirksamen Vergiftungsmechanismus. Die konischen Schnecken injizieren das lähmende und tödliche Gift durch eine Art Harpune in ihre Opfer oder Angreifer.

Schnecken steht Vielfalt an Giftmischungen bereit

"Es hat sich bereits gezeigt, dass die Schnecken kontrollieren können, welche Giftkombination für welchen Zweck zum Einsatz kommt – bei der Jagd oder bei der Verteidigung", sagt Markus Muttenthaler vom Institut für Biologische Chemie der Universität Wien. Dadurch versprechen sich die Forscher Erkenntnisse, um Schmerzmittel noch gezielter einsetzen zu können.

Verständnis über Schmerzen erheblich verbessert

"Mit ihrer außerordentlichen Wirkung und Selektivität haben Conotoxine die Schmerzforschung revolutioniert und unser Verständnis über die Schmerzreizleitung grundlegend verbessert", sagt Muttenthaler. Mit Hilfe der Wirkstoffe könnten Forscher nun die Bedeutung der unterschiedlichen Rezeptor-Subtypen klären.

Conotoxin blockiert Schmerz gezielt im Rückenmark

Wie die Universität in einer Pressemitteilung darlegt, gibt es bereits ein Conotoxin (Prialt®), das zur chronischen Schmerzlinderung eingesetzt wird. Ins Rückenmarkt injiziert blockiert es demnach sehr dort gezielt die Schmerzreizleitung: "1000-mal potenter als Morphium und ohne Abhängigkeitserscheinungen", sagt Muttenthaler.

Schmerzen sollen früher abgefangen werden

Ziel der Forscher ist, mit der nächsten Generation von Conotoxin-Wirkstoffen die Schmerzen schon abzufangen, bevor sie im Rückenmark ankommen – indem der Stoff bei den vorgelagerten Spinalganglien greift.

Hohe Arten- und Verbindungsvielfalt

Bisher sind geschätzt 750 Arten der Kegelschnecken sowie mehr als 10.000 Conotoxin-Sequenzen bekannt. Das Gift der Meerestiere enthält hundert bis tausend bioaktiver und – mit einer typischen Länge von 10 bis 40 Aminosäuren – relativ kurzer Peptide, die molekular vielfältige Verbindungen bilden können.

Wie die Gifte wirken

Diese Peptid-Gemische wiederum können auch auf das menschliche Nervensystem wirken und dort beispielsweise Ionenkanäle blockieren oder aktivieren. Dies ist für die Forschung von besonderem Interesse, da über Ionenkanäle gezielt die Schmerzreizleitung beeinflusst werden kann.

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