Neue Eigenmarke: Wie gut ist Bio von dm wirklich?

Neue Eigenmarke: Wie gut ist Bio von dm wirklich?

Der Drogeriemarkt dm verkauft nun seine eigenen Bio-Produkte. Doch kann „dm Bio“ mit dem Alnatura-Sortiment und etablierten Marken wie Bioland mithalten? FOCUS Online erklärt, was Verbraucher für den günstigen Biopreis bei dm wirklich erwarten können.

  • Der Drogeriemarkt dm verkauft künftig gut 50 eigene Bioartikel.
  • „dm Bio“-Marke hat nicht die Qualität von Siegeln wie Demeter.
  • Verbraucherschützer: „Von ‚dm Bio‘ ist mehr zu erwarten als von Aldi-Bio.“

Traubensaft und Kokos-Drink, Reiswaffeln und Rohrzucker, Balsamico-Essig und Bulgur – das sind nur einige der rund 50 Produkte, die seit Donnerstag neu im dm-Regal stehen. Die Drogeriemarktkette überrascht ihre Kunden mit einem neuen Sortiment: Mit „dm Bio“ als eigener Öko-Marke ist die Bio-Familie gewachsen. Die unabhängige Marke Alnatura hat die Drogerie seit 1985 in den Läden.

Alle machen selbst Bio

Nach Netto, Norma, Aldi Süd und Aldi Nord: Jetzt reiht sich dm in die Eigen-Biomarken-Kreateure ein.

„Es ist eine allgemeine Tendenz, im Handel eigene Marken zu kreieren“, sagt Armin Valet, Referent der Verbraucherzentrale Hamburg. Das gewähre den Anbietern mehr Unabhängigkeit und möglicherweise auch höhere Margen.

Im Unterschied zum Öko-Sortiment bei Discountern wie Aldi gibt es bei dm allerdings keine frischen Waren.

Wie viel bio steckt in „dm Bio“?

Die Rohstoffe der „dm Bio“-Produkte „stammen aus ökologischem Landbau und erfüllen somit die Vorgaben der EG-Öko-Verordnung“, schreibt der Drogeriemarkt.

Das heißt beispielsweise, dass Obst und Gemüse ohne Gentechnik hergestellt werden, erklärt Armin Valet. Wenn es sich um tierische Produkte handelt, dürfen die Tiere nur gentechnikfreies Futtermittel bekommen.

Das Ökosiegel bedeute allerdings nicht, dass es sich um regionale Produkte handele. Bioknoblauch mit EU-Biosiegel könne trotzdem aus China kommen. „Deswegen ist bio nicht immer unter allen Aspekten umweltfreundlich“, erläutert Valet. Das würden Verbraucher oft verwechseln.

Wie gut ist der EU-Ökostandard im Vergleich zu Siegeln wie Demeter?

Siegel wie Demeter oder Bioland haben wesentlich strengere Auflagen als der EU-Ökostandard. Sie stehen unter anderem für kurze Transportwege der Tiere oder erlauben nur wenig Zusatzstoffe. Valet ergänzt: „Hier gibt es einen deutlichen Qualitätsvorsprung zum EU-Standard.“

Wie günstig wird das dm-Bio sein?

Dass hinter der Vergrößerung des Biosortiments eine klare Strategie steckt, daraus macht der Drogeriemarkt kein Geheimnis. Die Kette wolle der zunehmenden Nachfrage nach Bioprodukten Rechnung tragen, sagte Konzernchef Erich Harsch. Die Wachstumschancen in diesem Bereich seien groß. Bei dm haben Bio-Lebensmittel derzeit einen Anteil im höheren einstelligen Bereich am Umsatz.

Wie tief die Bio-Fans für die „dm Bio“-Produkte in die Tasche greifen müssen? Fürs Erste kündigte der Drogeriemarkt ein ähnliches Preisniveau wie für die Alnatura-Waren an.

Außerdem heißt es: „Die Produkte von dm Bio zeichnen sich durch ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, aber auch durch eine exzellente Qualität aus.“

Bioprodukte reisen um die Welt

Um einen günstigen Preis zu garantieren, greifen andere Billigbio-Anbieter gerne auf Erzeugnisse aus Übersee und Osteuropa zurück.

Welche absurden Ausmaße der globalisierte Biomarkt annehmen kann, damit hat sich auch Peter Laufer ausführlich beschäftigt. Der Autor des Buchs „Bio? Die Wahrheit über unser Essen“ verfolgte viele Wege ökologischer Produkte um die ganze Welt und entdeckte unter anderem, dass seine Biowalnüsse in den USA aus Kasachstan kamen oder die Bioblaubeeren aus Chile.

Woher kommen die Bio-Produkte von dm?

Während Valet im Fall von Discounter-Bio wie von Aldi noch davon ausging, dass es den deutschen Biobauern nicht viel bringen werde, sieht der Verbraucherschützer hier bei dm bessere Chancen. „Denn dm hat ein sehr hohes Ansehen bei den Verbrauchern“, sagt Valet. Das dürfe die Marke auch mit der neuen Ökolinie nicht verspielen.

Der Drogeriemarkt schreibt zur Herkunft auf seiner Internetseite: „Wenn möglich setzen wir auf regionale Partnerschaften – für eine nachhaltige und transparente Produktion.“ Das hat FOCUS Online genauer hinterfragt, jedoch von dm bis zur Veröffentlichung keine Antwort erhalten.

Ist „dm Bio“ gesünder als das Alnatura-Sortiment?

Die Drogeriemarktkette möchte mit den eigenen Bio-Produkten unter anderem den Schwerpunkt der Marke auf den „drogistischen Gesundheitsaspekt“ legen. Das erscheint dem Vertreter des Verbraucherschutzes nur logisch, „denn das Thema Gesundheit steht bei den Verbrauchern hoch im Kurs und ist auf jeden Fall ein Zukunftsmarkt“.

Sicher sei außerdem: „Wenn die neuen Bio-Produkte mit dem Alnatura-Sortiment mithalten wollen, müssen sie hohe Qualitätsstandards erfüllen.“ Denn Alnatura geht in vielen Aspekten über den Mindeststandard der EU hinaus. Zum Beispiel arbeitet Alnatura auch mit deutschen Anbauverbänden zusammen, sodass Waren teilweise Demeter- oder Bioland-Siegel tragen.

Schon allein aus diesem Grund könnten Verbraucher „von ‚dm Bio‘ mehr erwarten als von Aldi-Bio“, meint Valet. Um die Qualität tatsächlich beurteilen zu können, müsste man sich die einzelnen Produkte jedoch genauer anschauen.

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