EU begrenzt Transfette in Lebensmitteln

EU begrenzt Transfette in Lebensmitteln

Die EU-Kommission hat eine verbindliche Obergrenze für sogenannte Transfette in Lebensmitteln festgelegt. Demnach dürfen Produkte, die bereit zum Verzehr sind, in Zukunft nicht mehr als zwei Prozent dieser Art von Fetten enthalten. Ausgenommen sind Lebensmittel, in denen die Stoffe von Natur aus vorkommen – etwa Fleisch, Butter oder Milch.

Die Regelung soll am 2. April 2021 in Kraft treten, wie die Brüsseler Behörde mitteilte. Solange haben Hersteller Zeit, ihre Rezepturen und Produktionsweisen zu ändern. Der Entschluss ist Folge einer jahrelangen Diskussion.

Transfette entstehen vor allem, wenn Pflanzenöl teilweise gehärtet wird. Für die Lebensmittelindustrie ist das praktisch: Der Prozess macht Produkte streichfähig, cremig und haltbarer. Auch wenn pflanzliche Öle über eine längere Zeit sehr stark oder mehrmals erhitzt werden, können sich die Fettsäuren bilden.

Besonders häufig von künstlichen Transfetten betroffen sind:

  • Lebensmittel, die frittiert wurden,
  • Margarine,
  • Backwaren wie Croissants, Kekse, Waffeln und Berliner,
  • Fertigsuppen und Soßen sowie
  • Snacks wie Chips oder Mikrowellen-Popcorn.

Die neuen Grenzwerte bedeuten nicht, dass Verbraucher in Zukunft auf diese Lebensmittel verzichten müssen. Alternative Produktionstechniken sowie eine gezielte Auswahl der Zutaten können den Transfettgehalt erheblich senken.

So schädlich wie kein anderer Inhaltsstoff

Bereits 1957 wiesen Forscher nach, dass Transfette mit verstopften Blutgefäßen zusammenhängen. Das Problem: Die Fettsäuren steigern den Spiegel des potenziell schädlichen LDL-Cholesterins, während sie den des potenziell schützenden HDL-Cholesterins senken. Gemessen an den Kalorien erhöhten Transfette das Risiko für Herzkrankheiten mehr als alle anderen Nährstoffe, schreibt die EU in einem aktuellen Infoblatt .

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) führen Transfette weltweit zu mehr als 500.000 Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen pro Jahr. Die Organisation fordert seit Langem, künstliche Transfette weitgehend aus Lebensmittel zu entfernen, 2018 veröffentlichte sie eine entsprechende Strategie. „Warum sollten unsere Kinder eine so gefährliche Zutat in ihrem Essen haben?“, fragte der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Den WHO-Empfehlungen zufolge sollten Menschen höchstens einen Prozent ihres Kalorienbedarfs mit künstlichen Transfetten decken. Bei einer täglichen Aufnahme von 2000 Kilokalorien würde das bedeuten, dass jeder nicht mehr als 2,2 Gramm der Fette konsumieren dürfte. Studien zufolge laufen in der EU vor allem Bevölkerungsgruppen mit einem geringen Einkommen sowie Studenten im Alter von 18 bis 30 Gefahr, diesen Wert zu überschreiten.

Deutschland: Problem vor allem durch Backwaren

In Deutschland hielten bei einer Analyse 2011 fast alle Supermarktartikel den Grenzwert von zwei Prozent ein. Problematischer allerdings war es bei Backwaren wie Croissants oder Donuts. Hier überschritt jedes zweite Produkt die Zwei-Prozent-Hürde.

Dass es möglich ist, bei der Produktion von Lebensmitteln auch ohne Transfette auszukommen, zeigen Erfahrungen anderer Länder. Dänemark beschloss 2003 als erstes Land weltweit, den Anteil künstlicher Transfette in Lebensmitteln auf höchstens zwei Prozent zu begrenzen. Nach Einführung der Regelung sank neben dem Transfettgehalt auch die Zahl der Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu anderen OECD-Ländern überproportional.

In Deutschland muss der Gehalt von Transfetten bislang nur auf Säuglings- und Diätnahrung verpflichtend angegeben werden. Einen Anhaltspunkt bieten die Aufschriften „enthält gehärtete Fette“ oder „Fette, zum Teil gehärtet“.

Im Video: Die Wahrheit über Fett – Tricks und Kniffe der Lebensmittelindustrie


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